ÄRZTE-AUSBILDUNGSORDNUNG RADIOLOGIE NEU

Ärzte-Ausbildungsordnung Radiologie neu

von W. Schima

Die Ärzte-Ausbildungsordnung (ÄAO) definiert die jeweiligen Ausbildungsinhalte der medizinischen Sonderfächer und damit auch die Tätigkeiten des jeweiligen Sonderfaches.  Eine Überarbeitung der ÄAO 2006 wurde aufgrund der Weiterentwicklung der Medizin (und damit verbundener Ausbildungsinhalte) sowie zur Umsetzung von EU-Richtlinien notwendig. Es wurde daher eine neue ÄAO 2015 vom Ministerium als Verordnung erlassen. Die Österreichische Ärztekammer hat nach langen Verhandlungen die Inhalte dieser neuen Ausbildungsordnungen beschlossen, welche mit 1. Juni 2015 in Kraft getreten sind. Die neue ÄAO hat neben einigen medial breit diskutierten Änderungen wie der Zusammenlegung der Sonderfächer Orthopädie und Unfallchirurgie und der Verlängerung der Ausbildung zum Allgemeinmediziner (incl. verpflichtender Lehrpraxis) auch einige grundlegende Änderungen der Facharztausbildung mit sich gebracht.

Am Anfang jeder Ausbildung steht eine 9-monatige Basisausbildung in internistischen und chirurgischen Fächern. Diese ersetzt die bisherige Ausbildung in den „Nebenfächern“ (sogenannte „Gegenfächer“). Nach der Basisausbildung schließt eine Sonderfachausbildung über 63 Monate (= 5 ¼ Jahre) an. Diese unterteilt sich in der Radiologie in eine Sonderfach-Grundausbildung über 36 Monate, in der Kenntnisse und Fertigkeiten in sämtlichen radiologischen Modalitäten (vom konventionellen Röntgen bis zur MRT) vermittelt werden. Daran schließt eine 27-monatige Sonderfach-Schwerpunktausbildung an, die aus 3 Ausbildungs-Modulen zu je 9 Monaten besteht. In diesen Ausbildungsmodulen soll eine vertiefte Ausbildung der jeweiligen Fachgebiete angeboten werden. Die Ausbildungsinhalte in der Radiologie wurden in folgende Module unterteilt:

Modul 1: Pädiatrische Radiologie
Modul 2: Neuroradiologie, Kopf-Hals-Radiologie
Modul 3: Interventionelle Radiologie
Modul 4: Thorax: Lunge - Kardiovaskulär
Modul 5: Abdomen – Gastrointestinal – Urogenitaltrakt
Modul 6: Muskuloskelettale Radiologie, Mammographie, Diagnostik/Intervention


Auf ausdrücklichen Wunsch des Gesundheitsministeriums musste die Anzahl der radiologischen Module auf 6 beschränkt werden (dazu kommt noch ein Wissenschafts-Modul für Auszubildende an Universitätskliniken). Sowohl für die Sonderfach-Grundausbildung als auch –Schwerpunktausbildung wurden Richtfallzahlen für Untersuchungen und durchzuführende Interventionen in der Ausbildungsordnung angegeben, die sich im Großen und Ganzen an den Richtfallzahlen der ÄAO 2006 orientieren (siehe ÄAO Radiologie 2015).


Eckpunkte der neuen Ärzte-Ausbildungsordnung Radiologie neu

  • 9 Monate Basisausbildung internistische/chirurgische Fächer

  • 63 Monate Sonderfachausbildung Radiologie

    • 36 Monate Sonderfach-Grundausbildung: alle Modalitäten

    • 27 Monate Sonderfach-Schwerpunktausbildung: 3 Module à 9 Monate

Modul 1: Pädiatrische Radiologie
Modul 2: Neuroradiologie, Kopf-Hals-Radiologie
Modul 3: Interventionelle Radiologie
Modul 4: Thorax: Lunge - Kardiovaskulär
Modul 5: Abdomen – Gastrointestinal – Urogenitaltrakt
Modul 6: Muskuloskelettale Radiologie, Mammographie, Diagnostik/Intervention

  • Gültig für alle KollegInnen, die ab dem 1.6.2015 mit der Ausbildung begonnen haben

  • Ausbildungsstätten bekommen eine für 7 Jahre befristete Ausbildungserlaubnis und verpflichtende Evaluierung.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle KollegInnen, die mit ihrer Ausbildung vor dem 1.6.2015 begonnen haben, können diese Ausbildung auch nach der alten ÄAO 2006 beenden. Für KollegInnen, die nach dem 1.6.2015 mit einer Ausbildung beginnen, gilt die neue ÄAO 2015. Sämtliche Ausbildungsstätten in Österreich müssen ihre Ausbildungsstellen bei den jeweiligen Landesärztekammern neu beantragen, wobei nach Auslaufen einer alten Ausbildungsstelle diese dann nach entsprechender Genehmigung durch eine neue ersetzt wird. Ausbildungsstätten, die keine komplette Ausbildung leisten können und bisher Teilausbildungsstätten waren, sind nun dazu angehalten, Kooperationsvereinbarungen mit anderen Ausbildungsstätten einzugehen. Diese müssen auch gegenüber der Ärztekammer vorgewiesen werden, um eine komplette Ausbildung anbieten zu können. Wie weit die fehlende Möglichkeit, eine solche Ausbildungskooperation mit einer anderen Institution einzugehen bzw. das Versäumnis, eine beschlossene Kooperationsvereinbarung auch einzuhalten, sich auf die anrechenbare Ausbildungszeit auswirken wird, ist noch offen. Sicher ist jedoch, dass die Ausbildungsberechtigung einer Ausbildungsstätte nur für jeweils 7 Jahre verliehen und nach Evaluierung verlängert wird.

Die Abgrenzung der Fächer

Bei jeder Verhandlung neuer Ausbildungsordnungen ist die Radiologie mit den Begehrlichkeiten anderer Fächer konfrontiert, radiologische Fertigkeiten (=Tätigkeiten) in ihre Fächer zu integrieren. So musste die österreichische Röntgengesellschaft gegen insgesamt 30 (!) Ausbildungsordnungen anderer Fächer Einspruch erheben, weil radiologische Fertigkeiten in diese fachfremden Ausbildungsordnungen hinein reklamiert wurden. Es bedurfte des geschlossenen Auftretens von ÖRG und BURA, um unter großen Anstrengungen die meisten dieser Ansinnen abwehren zu können. Den fachfremden Wünschen nach Einrichtung von Teilbereichs-Radiologien mit der Möglichkeit der Selbstzuweisung (und natürlich auch Abrechnung) konnten wir das Argument entgegensetzen, dass die Zersplitterung der Radiologie äußert kostentreibend im Gesundheitswesen wirken würde, abgesehen von weithin fehlender Expertise im Strahlenschutz bei Teilbereichsradiologen. Allerdings wurden in einzelnen Fächern Ausbildungsinhalte, die in einigen anderen EU-Ländern Nicht-Radiologen zugänglich sind (z.B. endovaskuläre Interventionen für Gefäßchirurgen) auch in die österreichische Ausbildungsordnung übernommen.

Keine Anrechnung von Rotationen von nicht-radiologischen Fächern in die Radiologie

Die medizinischen „Gegenfächer“ in der Ausbildung wurden abgeschafft. Dies bedeutet, dass es in der neuen Ausbildungsordnung nicht mehr möglich ist, eine anrechenbare Ausbildungsrotation in der Radiologie (z. B. für Pulmologen) zu absolvieren. Ähnliches gilt für die Ultraschallausbildung, die nun verpflichtend für die Innere Medizin und ihre diversen Subspezialisierungen in der Ausbildungsordnung festgesetzt wurde (mindestens 300 Sonographien). Diese Ausbildung ist innerhalb des eigenen Faches zu gewährleisten.

Die neue Ärzteausbildungsordnung 2015 stellt eine gute Weiterentwicklung unseres Faches dar. Der Vergrößerung des Fachgebietes wird durch die Modul-artige, vertiefte Ausbildung in der Sonderfach-Schwerpunktausbildung Rechnung getragen, wobei sichergestellt ist, dass mit der Erlangung des Facharztes auch die fachliche Berechtigung für die Ausübung des Gesamtfaches verbunden ist. Die Notwendigkeit, in Zukunft für die Facharztausbildung vermehrt Ausbildungskooperationen mit anderen Institutionen einzugehen, wird für viele Ausbildungsstätten sicher eine Herausforderung sein. Allerdings wird dies sicherlich zu einer Verbesserung der Ausbildungsqualität der jungen KollegInnen beitragen, was letztlich eine gute Investition in die Zukunft des Faches Radiologie ist!

Wolfgang Schima
Präsident der ÖRG