COVERSTORY 1

Brustkrebsscreening Österreich - Aktuelle Zahlen und Status Quo

von M. Daniaux

Brustkrebs ist weltweit die am meisten bei Frauen vorkommende Krebserkrankung. In Österreich ist jede 8.Frau während Ihres Lebens davon betroffen, wobei Frauen zwischen dem 50. bis 69. Lebensjahr daran am häufigsten erkranken. Ziel eines jeglichen Brustkrebsfrüherkennungsprogramm ist es, Brustkrebs möglichst früh zu erkennen, um die Erkrankung bestmöglich behandeln zu können.

Mit jeglichem früh  erkannten Mammakarzinom (Patientin zum Zeitpunkt der Diagnose symptomfrei) ist üblicherweise auch eine für die Patientin schonendere Therapie und damit auch eine niedere Morbiditätsrate (Komplikationen als Folge der Erkrankung) verbunden. Damit kann die Lebensqualität der von der Erkrankung betroffenen Frau signifikant verbessert werden.

Traditionell waren die radiologisch diagnostische Abklärung des Mammakarzinoms und die Voruntersuchungen in Österreich auf einem sehr erfolgreichen Modell im Rahmen eines sogenannten “opportunistischen Screeningmodelles“ aufgebaut, welches altersunabhängig für alle Frauen, jährlich, zugänglich war.

 

2014  sorgte daher die  Einführung des sogenannten Brustkrebsfrüherkennungsprogrammes (BKF), einem sogenanntem  „organisierten screening Programm“ für massive Diskussionen und Verunsicherung. Kernpunkte des neuen BKF Programmes sind nämlich  ein 2 jähriges Untersuchungsintervall und der Einschluss von Frauen in einem nur eingeschränkten Altersintervall. Zu befürchten war zum einen ein Sinken der Untersuchungsraten, als auch eine Zunahme der im verlängerten Intervall von 2 Jahren zu erwartenden Karzinomrate.

 

Das Ziel des nun seit 2014 implementierten, Österreichweit einheitlich organisierten Brustkrebsfrüherkennungsprogramms ist natürlich die Senkung der Mortalitätsrate (Sterblichkeitsrate) durch eine mittels Screening bedingte Reduktion von bereits fortgeschrittenen Karzinomerkrankungen. Die Zielgruppe des neuen BKF sind Frauen ab dem 45.Lebensjahr mit der Möglichkeit eines opt-in ab dem 40. Lebensjahr bei einem zweijährigen Untersuchungsintervall.

Man erhoffte sich, auf Basis organisierter Einladungen, eine größere Zahl an Frauen dem Screening Programm zuführen zu können. Unter Berücksichtigung des 2 Jahresintervalls war aber absehbar, dass in Summe weniger Untersuchungen durchgeführt werden.

45a Patientin, beschwerdefrei, kommt zum Screening. Es zeigen sich rechts multiple verschiedenartige Verkalkungen. Die Stereotaxie ergab ein DCIS (Präkanzerose, Brustkrebsvorstufe)

49a Patientin, Screening Untersuchung. Lineare Verkalkungen links oben aussen, bildgebend suspekt zu werten. Im Ultraschall sind die Verkalkungen nachweisbar. Eine ultraschallgezielte Stereotaxie ergibt einen gutartigen Befund (fibröszystische Mastopathie).

 

 

Als positiven Faktor ist die Berücksichtigung des Ultraschalls zu berichten, welcher in den work flow der Diagnose implementiert wurde. Beim BKFP in Österreich ist im Gegensatz zu nahezu allen anderen internationalen Brustkrebs Screening Programmen der Brustultraschall implementiert. Die Sensitivität (Erkennen einer Krankheit durch ein bestimmtes Untersuchungsverfahren) kann durch die additive Sonographie signifikant erhöht werden. Dies betrifft vor allem Patientinnen mit einer hohen Brustdichte (ACR C und D), während bei niederer Brustdichte (ACR A und B) keine Empfehlung für eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung zur Mammographie (‚Golden Standard‘) besteht.

Mit Einführung des BKFP wurde für alle teilnehmenden Institutionen auch die analoge (Filmfolien) durch die digitale (elektronische Speicherung) Mammographie verpflichtend. Die Tomosynthese (Bilder der Brust aus verschiedenen Winkeln) als Erweiterung der digitalen Mammographie erhöht die Sensitivität der Mammographie lt. Literatur signifikant.

 

Mittlerweile liegen die Daten der letzten Jahre auf und zeigen folgende Ergebnisse:

 

 
Entwicklung der Mammographiezahlen 2014-18

 
Quelle: Programmleitung BKFP, Auswertung BURA

Weiterhin zu diskutieren sind auch Auswirkungen des screening Programms hinsichtlich der Handhabung von falsch positiven und falsch negativen Befunden. Die Aufklärung über die Vor- und Nachteile sind ein essentieller Bestandteil des Programms, und sorgen auch weiterhin für Diskussionen innerhalb der Fachgruppen.

 

Vortrag vom ÖRG Pressegespräch

 

 


Dr. Martin Daniaux
Leitender Oberarzt Mammadiagnostik am BrustGesundheitZentrumTirol der Universitätsklinik für Radiologie martin.daniaux@tirol-kliniken.at