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PET CT: Hybridverfahren aus nuklearmedizinischer Sicht: Voraussetzungen, Erfordernisse, Grundlagen…..

Thomas Rand im Gespräch mit Prof. Markus Hacker

TR: S.g. Prof. Hacker; es geht um die neuen Szenarien in der Nuklearmedizin: inwieweit lassen sich diese jetzt mit der Radiologie verbinden, und welche Zukunftspläne haben Sie?

MH: Die Zukunft der Nuklearmedizin liegt in der Möglichkeit der repetitiven Gewebscharakterisierung und –Quantifizierung, welche Therapieentscheidungen vereinfacht und sowohl die individuelle Risikostratifizierung als auch das Therapiemonitoring verbessert. Durch die Auswahl geeigneter Biomarker sind nuklearmedizinische Verfahren als paradigmatisch für moderne Anwendungen der Theranostics zu sehen, da hier das selbe Pharmakon für Diagnostik und Therapie verwendet werden kann, indem ein Gamma- oder Positronenstrahler durch einen Alpha- oder Betastrahler ausgetauscht werden. Beispiele hierfür wären 99mTc und 131I für die Schilddrüsendiagnostik und –therapie oder 68Ga / 177Lu-DOTATATE für die Somatostatinrezeptordiagnostik und –therapie. Die Brücke zur radiologischen Schnittbildgebung CT und MRT ergibt sich insbesondere durch moderne PET/CT, MR/PET oder SPECT/CT Systeme, bei denen diagnostische radiologische und nuklearmedizinische Verfahren kombiniert werden können. Hier wird die Expertise aus beiden Fächern benötigt.

TR: Sie haben ja gemeinsam mit Prof Herold schon praktisch ein „State of the Art“ geschaffen. Könnten Sie uns kurz erzählen– wie war der Weg dorthin? Welche Definitionen haben Sie erarbeitet und wie schaut die Zukunft für Ihr gemeinsames Konzept aus?

MH: Wir haben hier an der MUW die Möglichkeit in einem gemeinsamen Department fachübergreifend zusammenzuarbeiten, was in der täglichen klinischen Routine ungemein hilft. Es ist mittlerweile Konsens zwischen den Fächern Radiologie und Nuklearmedizin, dass die Expertise aus beiden Fächern benötigt wird um hochwertige Hybriddiagnostik zu betreiben. Dies gilt für die tägliche klinische Routine und erst Recht für die Forschung. Nach der erfolgreichen Implementierung der PET/CT am AKH vor einigen Jahren stehen wir nun vor der großen Herausforderung der Implementierung eines von nur 50 weltweit verfügbaren MR/PET Gerätes am AKH. Durch die simultane Messung von MRT und PET entstehen hier potentielle Synergismen für die Diagnostik, die erst noch herausgearbeitet werden müssen. Weitere gemeinsame Projekte wird es auf dem Feld der SPECT/CT Bildgebung und insbesondere auch im Bereich der präklinischen Forschung geben. Hier stehen ab November ein µPET/SPECT/CT, ein 9,4T MRT sowie ein Gerät zur optischen Bildgebung zur Verfügung.

TR: Insgesamt geht es ja um viel mehr als nur um eine Administrations- und Organisationsvereinfachung: Da steht ja vor allem einmal der Patient im Vordergrund, die Ausbildung, die Wissenschaft, und alle sollten profitieren. Gibt es diese „Win Win“ Situation wirklich? Wie schaut es insbesondere aus mit der Aufrechterhaltung des fachlichen Selbstbewusstseins beider Fächer? Wie kann man alles so unter einen Hut bringen, dass es für beide Partner attraktiv bleibt und daraus ergibt sich auch gleich die Frage, sollen dann letztendlich Nuklearmediziner Radiologen werden oder umgekehrt?

MH: Ich denke, derartige Organisationsstrukturen sichern zunächst einmal die Zukunft der Bildgebung. Nur wenn wir Bildgeber, Radiologen und Nuklearmediziner, zusammenarbeiten können wir uns auf Dauer der multiplen Zugriffsversuche anderer Fächer auf die Bildgebung erwehren. Eine Win Win Situation kann es natürlich nur dann geben, wenn die jeweiligen Grenzen und Expertisen der Fächer gegenseitig akzeptiert werden. Zwischen Radiologie und Nuklearmedizin gibt es die Schnittmenge der Hybridbildgebung. Ansonsten handelt es sich aber doch um zwei sehr unterschiedliche Fächer mit einem Biomarker- und Therapieschwerpunkt auf nuklearmedizinischer Seite und sehr starken Spezialisierungen auf radiologischer Seite wie der interventionellen oder Neuroradiologie oder der Mammadiagnostik. Ich halte daher wenig von einer Verschmelzung der Fächer, sondern bin vielmehr der Auffassung, dass wir die Ausbildung innerhalb der Fächer verbessern und auf die Bedürfnisse moderner Diagnose- und Therapiealgorithmen anpassen müssen.

TR: Welche Regeln hat ihr Konzept?

MH: Es gibt hier keine Regeln. Die Klinikorganisation ist durch das Universitätsgesetz vorgegeben und funktionieren im Sinne eines erzielbaren Mehrwertes kann das ohnehin nur, wenn alle Beteiligten den Sinn einer derartigen Klinikfusion verstanden haben und an einem Strang ziehen. Das ist sicherlich ein Lernprozess für alle Beteiligten, erfordert ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit, verspricht aber auch ein Mindestmaß an Reibungsverlusten zum Wohle der Patienten.

TR: Wie sind Sie, gemeinsam mit Christian Herold überhaupt auf diese Idee gekommen? Hatten Sie konkrete Vorbilder? Wie sind Sie zusammengekommen? Wer sprach wen an?

MH: Die Idee einer Departmentbildgebung wurde bereits vor meinem Kommen geboren und organisiert. Ich kannte solche Bildgebungs-Departments bereits von meinen parallelen Lehrstuhlverhandlungen in Tübingen, auch andere deutsche und österreichische Zentren haben dies bereits umgesetzt. Zentrumsbildungen werden zudem von der MUW explizit gefördert und es wird sicherlich in Zukunft auch in anderen klinischen Bereichen zu solchen Synergismen kommen können. Christian Herold habe ich im Zusammenhang mit meiner Bewerbung kennengelernt, er war ja Vorsitzender der Berufungskommission. Wir haben uns sehr rasch schätzen gelernt und ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, so dass ich mein Kommen nach Wien zu keiner Sekunde bereut habe.

TR: Wenn man so eine Kooperation eingeht, dann benötigt dies entsprechende Kooperationsfähigkeit und Bereitschaft. Was sind denn die wichtigsten Punkte der Kooperationsfähigkeit; welche Grundvoraussetzungen müssen erfüllt werden, einerseits vom Radiologen, andererseits vom Nuklearmediziner?

MH: Fairer Umgang auf Augenhöhe, Kompromissbereitschaft.

TR: Insgesamt ist Ihr gemeinsames Konzept wichtig für uns, weil es einfach eine Vorbildwirkung für ganz Österreich haben wird, möglicherweise auch auf europäische Ebene. Trotzdem muss man auch die Probleme ansprechen: die bestehen ja oft gar nicht so sehr in der Konstruktion der Sache selbst und in den rationellen Argumenten, sondern viel mehr auf irrationaler Ebene, d.h. es bestehen einfach Urängste auf beiden Seiten , die es wert und wichtig sind ausgesprochen zu werden, um sie vielleicht auch für andere Gruppierungen leichter lösbar zu machen. Welche Urängste haben Sie bei den Verhandlungen gespürt und wie haben Sie diesen begegnet? Haben Sie alles lösen können?

MH: Als Universitätsprofessor für Nuklearmedizin in einer der größten Kliniken Europas ist es meine Aufgabe das Fach weiterzuentwickeln und für eine gute Lehre und Ausbildung des Nachwuchses zu sorgen. Moderne individualisierte Diagnosealgorithmen und molekular gezielte Therapien erfordern tiefgreifende Reformen innerhalb des Faches. Wir müssen die Ausbildung unserer jungen Kollegen in diesem Sinne anpassen, mehr molekulare Medizin und Strahlenbiologie integrieren und natürlich auch die anatomische Schnittbildgebung lernen. Ähnliche Strukturänderungen werden auch in der radiologischen Ausbildung nötig werden. Mit einer zunehmenden Anzahl an Spezialuntersuchungen und Subspezialisierungen innerhalb des Faches ist es heute schon schwierig als Facharzt für Radiologie oder Nuklearmedizin das komplette Spektrum auf höchstem Niveau abzubilden. Da macht es wenig Sinn die Fächer auch noch zusammenzulegen. Im Gegenteil: wir müssen die Fächer weiterentwickeln, die Fächer bzw. deren Subdisziplinen müssen dann auf höchstem Niveau zusammenarbeiten. Ganz so wie dies in einer Departmentstruktur der Fall ist!


TR: Vielen Dank, nochmals herzliche Gratulation zu Ihrem Modell an der MUW, und weiterhin viel Erfolg auf allen Ebenen.

Für die ÖRG Thomas Rand


Univ.-Prof. Dr. med. Marcus Hacker
Full Professor for Nuclear Medicine and Director, Division of Nuclear Medicine at the Medical University of Vienna

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