COVERSTORY 3

Frauenherzen schlagen anders

Von K. Hergan

Frauen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von Männern. Das Herz hat, auch wenn es wie beim Mann im Brustkorb schlägt und optisch auf den ersten Blick einem Männerherzen ähnelt, doch markante Unterschiede. Die einzelnen Herzhöhlen sind beim Frauenherz kleiner und die Muskeldicke und Muskelmasse sind geringer, das Schlagvolumen ist niedriger und die Herzfrequenz durchschnittlich höher.

Viel bedeutender sind jedoch Unterschiede bei den Krankheitsbildern, die es beim Mann entweder gar nicht gibt oder anders in Erscheinung treten.

Der Herzinfarkt bei der Frau

In den USA verstirbt jede Minute eine Frau durch einen Herzinfarkt. Im Gegensatz zu Männern ereignen sich Herzinfarkte durchschnittlich 8-10 Jahre später als bei Männern, aber dafür ist die Prognose nach einem Infarkt schlechter: innerhalb des 1. Jahres nach einem Herzinfarkt versterben 26 % der Frauen und 19% der Männer, innerhalb der nächsten 5 Jahre 47% der Frauen und 36% der Männer.

Die möglichen Ursachen dafür sind vielfältig. Nicht nur dass die Symptome eines Herzinfarktes von Frauen anders wahrgenommen werden, so sind manche nicht invasive Tests zur Risikoeinschätzung weniger sensitiv und spezifisch als bei Männern (Ergometrie, Stressbildgebung mit Echokardiographie) andere wiederum etwas besser (Nuklearmedizin, Herz-CT). Dahinter stecken zahlreiche pathophysiologische Faktoren wie Zyklus, Schwangerschaft, Menopause, Adipositas (Frauen sind häufiger adipös als Männer), arterielle Hypertonie, Blutfette, Insulinresistenz, polycystisches Ovarialsyndrom, chronische entzündliche Zustände, Rauchen (erhöht Risiko um Faktor 2.6), körperliche Inaktivität, Brustkrebs-Therapie, Depression. Eine weitere Besonderheit bei jüngeren Frauen ist die spontane koronare Dissektion, bei der die Wand eines Herzkranzgefäßes sich spaltet und dadurch eine relevante Einengung des Gefäßes mit allen möglichen Folgen resultiert (Abb. 1 und 2).

Abb. 1

45-jährige Frau mit unmittelbaren Schmerzen nach Zuwerfen der Autotür. In der Notaufnahme hochgradiger Verdacht auf eine signifikante Einengung einer Koronararterie diagnostiziert. a. CT 3D-Darstellung der Koronararterien mit kurzer hochgradiger Einengung (Pfeil), b. CT linke Koronararterie mit hochgradiger Einengung und angrenzender Dissektionsmembran (Pfeil), c. Herzkatheteruntersuchung unmittelbar vor Dehnung der hochgradigen Einengung (Pfeil).

Abb. 2

58-jährige Patientin nach ausgedehntem Infarkt der Vorderwand und Herzspitze. Narben im MRT als helle Zonen gut sichtbar. a, b. MRT des Herzens mit Kontrastmittel im 4- und 2-Kammerblick.


Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathie)

Stressinduzierte Kardiomyopathien, von denen das „broken-heart Syndrom“ wohl am bekanntesten ist, kommen fast ausschließlich bei Frauen vor (86-95%). Die auch als Takotsubo-Kardiomyopathie bekannte Erkrankung wird hauptsächlich durch eine einschneidende Stresssituation ausgelöst. Schmerzen und Funktionseinschränkung sind die Folge. Die Prognose ist günstig, die Erkrankung heilt innerhalb mehrerer Wochen komplett aus (Abb. 3).

Abb. 3

81-jährige Patientin mit akut einsetzenden Herzschmerzen und Funktionseinschränkung nach akutem und tragischen Tod des Ehegatten. Auffallend ist die bauchige Vorwölbung der Segmente der Herzspitze unter Kontraktion. Rückbildung des Befundes und der Beschwerden innerhalb von 6 Wochen. a, b. Cine MRT des Herzens in Diastole und Systole.

Die Schwangerschafts-Kardiomyopathie betrifft etwa 1-4% der schwangeren Frauen. Reduziertes Herzminutenvolumen und vergrößerte Herzmuskelmasse können bis zur Schwangerschaftsvergiftung (Eklampsie) führen. Nach Beendigung der Schwangerschaft normalisiert sich das Krankheitsbild wieder über mehrere Monate hinweg.

Anders ist es bei der peripartalen Kardiomyopathie, die innerhalb von 5 Monaten nach einer Geburt eintritt. Ursächlich vermutet werden virale Infektionen, endotheliale Dysfunktion, abnorme Immunreaktion (Interleukin-1, Tumornekrose Faktor alpha). Die Erkrankung kommt bei 1: 3000-4000 Geburten vor, hat eine Mortalität von 15%, und eine volle Genesung besteht nur in 23-32%.

Chronisch entzündliche Erkrankungen können sich bei Frauen nachteilig auswirken. Die Sarkoidose, eine chronische granulomatöse Erkrankung, kommt etwas häufiger bei Frauen als bei Männern vor. Rheumatische Erkrankungen und der Lupus erythematodes treten häufiger bei Frauen auf und kennzeichnen sich mit Symptomen eines Herzinfarktes und/oder einer Herzschwäche.

Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern

Insgesamt ist diese Erkrankung des Herzens seltener als bei Männern, aber verläuft öfter symptomatisch. Außerdem sind Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Todesfälle gehäuft bei Frauen anzutreffen.

Alle genannten Erkrankungen lassen sich sehr gut mittels Echokardiographie, MRT, CT und Herzkatheter diagnostizieren.

Die Behandlung diverser Herzerkrankungen hat auf das weibliche Geschlecht abgestimmt zu erfolgen und ist somit anders als bei Männern.

 

 

Vortrag am Pressegespräch:

 

Literatur:

Tailor TD, et al. Imaging of Heart Disease in Women. Radiographics 2017;282:34

Geibel-Zehender A. Koronare Herzkrankheit. Was ist bei Frauen anders. Deutsche Herzstiftung 2018, Sonderdruck 28

Boer J. Vortrag: Herzerkrankung bei Frau und Mann; gibt es Unterschiede. Deutsche Herzstiftung

Garcia M, et al. Cardiovascular Disease in Women: Clinical Perspectives. Circ Rey 2016;118:1273

Mayo Clinic Staff. Heart Disease in Women: Understand symptoms and riskfactors. https://www.mayoclinic.or/disease-conditions/heart-disease/in-depth/heart -disease

Darae K, et al. Atrial fibrillation in women: epidemiology, pathophysiology, presentation, and prognosis. Nat Rev Cardiol. 2016; 13: 321–332.

 https://salk.at/DMS/KlausHergan_portrait_125211.jpg

Prim. Univ. –Prof. Dr. Klaus Hergan

Universitätsinstitut für Radiologie

Uniklinikum Salzburg

Paracelsus Medizinische Privatuniversität