COVERSTORY 4

Workshops „CT Protokolle Made Easy“

 

von E.Sorantin, B.Oppelt, U.Nagl, J.Lorenz am OERG – BRG Rosenheim 2019

Das ALARA Prinzip „as low as reasonable achievable“ wurde bereits 1912 publiziert – schon damals schrieb der Kinderarzt Paul Reyher in seinem Buch „Röntgenverfahren in der Kinderheilkunde“, daß Kinder nur mit der geringsten Dosis untersucht werden sollten sowie  „..denn nur ein röntgenologisch gut geschulter Arzt wird imstande sein, dasjenige Mindestmaß an Röntgenlicht, welches für den jeweils erstrebten diagnostischen und therapeutischen Zweck hinreichend ist, auch tatsächlich anzuwenden“.

Wissenschaftlichen Gesellschaften und andere mit dem Strahlenschutz beschäftigen Institution wie bsp. „Eurosafeimaging“ (www.eurosafeimaging.com), “Image Gently Campaign“ (http://www.imagegently.org) oder “American Collegue of Radiology (www.acr.org) unternehmen große Anstrengungen diese für die Betreuung von Kindern notwendigen Kenntnisse zu vermitteln – auch im Bereich der Computertomographie (CT).

Es fehlt daher nicht an der Information. Eine Vielzahl von Studien belegt, daß CT Parameter vor allem bei Kindern nicht an die Körpergröße, Alter etc. angepasst werden – es ist davon auszugehen, daß mehr als 100 Jahre nach ALARA Prinzip Beschreibung mehr als die Hälfte der Kinder mit einer zu hohen Dosis untersucht werden.

Es ist die Meinung der AutorInnen, daß auch weitere Studien über die suboptimale Anpassung der CT Parameter an pädiatrische Patienten nicht wirklich dem Strahlenschutz der Kinder verbessern werden. Weiters ist es eine alt bekannte, pädagogische Tatsache, daß Frontalunterricht nicht immer die notwendige Wissenspenetration erreicht.

Die Klinische Abteilung für Kinderradiologie, Univ.-Klinik für Radiologie Graz hat deshalb eine neues Format der Wissensvermittlung entwickelt, welches auch den gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte berücksichtigt.

Dieses Konzept besteht aus einem zweistündigen, interaktiven Workshop für RadiologInnen und Radiologietechnologinnen als Team. Nach einer Einführung von 10-15 Minuten schließt ein „Rollenspiel“ unter  der Verwendung von zwei CT Simulatoren am Laptop (Siemens Somaton Reihe und Canon AquilionONE Serie) an. Vier TutorInnen leiten diesen Workshop Arzt (gleichzeitig Zuweiser und Radiologe – ES), sowie die Radiologietechnologinnen BO – Dosis, JL – Handling, UN – Technik. Damit die vier Tutoren sich optisch besser abheben tragen sie verschiedenfärbige T-Shirts mit den entsprechenden Aufschriften (Abbildung 1).

Das „Script“ des Workshops sieht vor, daß anhand von alltäglichen Untersuchungen aus dem Kopf, Thorax und Abdomen Bereich die Protokolle diskutiert werden und startet mit der Frage an die TeilnehmerInnen wie in den Heimatinstitutionen die Protokolle unter den genannten vier Aspekten gestaltet werden und welche Möglichkeiten zur Dosiseinsparung gesehen werden und warum. Als Besonderheit hat das Team auch die Möglichkeit die Vorschläge gleich in die CT Simulatoren einzugeben und die Auswirkungen auf die Dosis zu demonstrieren. Es soll nicht verschwiegen werden, daß nicht selten die gemachten Vorschläge in einer erhöhten Dosis münden.

Am OERG – BRG Kongress in Rosenheim wurden am 26.09.2019 zwei Workshops mit jweils 25 Teilnehmern abgehalten – die Abbildungen 2 und 3 zeigen die Teilnehmer bei der „Arbeit“.

Diese Workshops werden vom genannten Team seit 7 Jahren auf nationalen und internationalen Kongressen vorgestellt. In einer anonymen Umfrage unter den TeilnehmerInnen hatten ca 30% nach Absolvierung des Workshops die Dosis bei CT Untersuchungen um 25% gesenkt. In der weiteren Folge plant die Abteilung der AutorInnen zwei weitere Aufbaustufen bis zum „Protokoll Master“ zukünftig anzubieten.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Workshops „CT Protokolle made easy“ ein sehr erfolgreiches Format sind, auch eine entsprechende Wissenspenetration erreicht und sich auch einer gewissen Beliebtheit erfreut – am OERG-BRG mußten schließlich zusätzlich zum Kongressbeitrag noch 75€ für den Workshop bezahlt werden. Die AutorInnen möchten aber abschließend feststellen, daß dieser Beitrag nicht von ihnen festgesetzt wurde, sondern von der Kongressorganisation. Die AutorInnen haben auch davon keinen finanziellen Vorteil – es geht ihnen um die Sache und die Freude der Wissensvermittlung.

Fotos vom Workshop

Autor

Univ.-Prof.DDr.hc Erich Sorantin

Klinische Abteilung für Kinderradiologie

Univ.-Klinik für Radiologie

Email: erich.sorantin@medunigraz.at


Weiterführende Literatur

 

  1. Oestreich, A. E. RSNA centennial article: ALARA 1912: „As low a dose as possible“ a century ago. Radiographics : a review publication of the Radiological Society of North America, Inc, 34(5), 1457–60. http://doi.org/10.1148/rg.345130136
  2. Sorantin, E., Weissensteiner, S., Hasenburger, G., & Riccabona, M. (2013). CT in children-dose protection and general considerations when planning a CT in a child. European Journal of Radiology, 82(7). http://doi.org/10.1016/j.ejrad.2011.11.041
  3. Vassileva, J., Rehani, M. M., Al-Dhuhli, H., Al-Naemi, H. M., Al-Suwaidi, J. S., Appelgate, K., … Zontar, D. (2012). IAEA survey of pediatric CT practice in 40 countries in Asia, Europe, Latin America, and Africa: Part 1, frequency and appropriateness. AJR. American journal of roentgenology, 198(5), 1021–1031. http://doi.org/10.2214/AJR.11.7273
  4. Vassileva, J., Rehani, M. M., Applegate, K., Ahmed, N. a, Al-Dhuhli, H., Al-Naemi, H. M.,Zontar, D.             (2013). IAEA survey of paediatric computed tomography practice in 40 countries in Asia,             Europe, Latin America and Africa: procedures and protocols. European radiology, 23(3), 623–631. http://doi.org/10.1007/s00330-012-2639-3