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Carotis-Stenting: Weiterentwicklung durch neues Stent-Design

von J. Trenkler

Metaanalysen der großen Studien zur Behandlung von Carotisstenosen mittels Carotis-Stenting (CAS) versus Carotis-Endarterektomie (CEA) konnten zeigen, dass die Bauart des Carotis-Stents (open vs. closed cell design) bezüglich Patientenoutcome eine Rolle spielt, wobei die Patientengruppe, die mit closed-cell Stents behandelt wurden ein besseres outcome zeigten ohne signifikanten Unterschied zur CEA-Gruppe1. Eine post-hoc Analyse der SPACE-Studie hatte gezeigt, dass die periprozedurale Komplikationsrate bei Verwendung von Stents mit geschlossenen Zellen niedriger war und es ist gut nachvollziehbar, dass Debris eines überstenteten vulnerablen Plaque weniger leicht durch die kleineren Zellen eines closed-cell-Stents in das Gefäßsystem gelangen kann2. Insbesondere die finale Stent-PTA stellt den gefährlichsten Teil der Stent-Prozedur bezüglich embolischer Ereignisse dar.
Der Nachteil von closed-cell-Stents ist die gegenüber open-cell-Stents geringere Flexibilität, die zu Streckung und eventuell Kinking insbesondere elongierter Gefäßabschnitte führen kann.

Neuerdings steht mit dem CASPER-Stent (Microvention/Terumo) ein Carotisstent zur Verfügung, der sowohl eine hohe Flexibilität als auch ein sehr engmaschiges closed-cell-design aufweist. Dies wird erreicht durch ein zweischichtiges Design mit einem äußeren, weitmaschigen Stent und einer inneren „Micromesh“. Beide Komponenten sind gewoben und bestehen aus Nitinol. Die kleinen freien Zellflächen verhindern einen Prolaps von Plaquematerial in das Stentlumen in einem hohen Ausmaß und stellen somit eine wesentliche Embolieprotektion dar.



Abbildung 1. Carotisstent CASPER: Dual layer design, Micromesh mit sehr kleiner freier Zellfläche

Der Stent lässt sich über einen 6 French Katheter (bzw. eine 5 French Schleuse) applizieren, kann repositioniert werden und weist eine hohe Radialkraft auf. Derzeit verfügbare Größen sind für Gefäßdurchmesser von 4 bis 9 mm geeignet. Erste Publikationen und eigene Erfahrungen bestätigen die einfache Applizierbarkeit sowie exzellente Gefäßwandapposition auch bei elongierter Gefäßanatomie. Das Micromesh-Design verhindert auch nach Stent-PTA die Protrusion von Plaquematerial durch die Stentmaschen, so dass auf ein Embolie-Protektionssystem in der Regel verzichtet werden kann.



Abbildung 2. Carotisstenose mit exulcerierter Plaqueformation vor und nach Stentimplantation (CASPER)


Es sollte gelingen, mit Stents dieser Bauart die prozedurale Komplikationsrate beim Carotisstenting insbesondere symptomatischer Stenosen mit meist vulnerablen Plaques signifikant zu senken. Um dies nachzuweisen werden entsprechende Studien notwendig sein.

Referenzen:

  1. Almekhlafi M, Yavin D, Mitha A. O-007 carotid stent cell design modified the periprocedural outcomes in the stenting arm of randomized trials of carotid revascularization: A meta-analysis. Journal of neurointerventional surgery. 2012;4:A4
  2. Jansen O, Fiehler J, Hartmann M, Bruckmann H. Protection or nonprotection in carotid stent angioplasty: The influence of interventional techniques on outcome data from the space trial. Stroke; a journal of cerebral circulation. 2009;40:841-846


Autor
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Prim. Dr. Johannes Trenkler
Kepler Universitäts-Klinikum, Neuromed Campus
Institut für Radiologie
Wagner-Jauregg-Weg 15, 4020 Linz