COVERSTORY I

Interview Breitenseher Publisher

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2014 wurde der Verlag Breitenseher Publisher gegründet.Der Verlag steht für wissenschaftlich hochwertige Publikationen mit ausgewiesenen Experten als Autoren und einer zukunftssicheren Verlagsstrategie, die eine erstklassige Printqualität mit der Anwendung modernster elektronischer Medien kombiniert.


Thomas Rand im Gespräch mit Martin Breitenseher, Gründer von Breitenseher Publisher.

 

ÖRG: Du bist meines Wissens nach Österreichs einziger radiologischer Wissenschaftsverlag.

 

Breitenseher: Genau genommen bin ich wissenschaftlicher Berater des „Breitenseher Publisher“. Die Verlagsverantwortung liegt aktuell bei meiner Tochter, Iris Breitenseher, davor bei meiner Frau Andrea.

 

ÖRG: Wie kommt man auf die Idee einen „Wissenschaftsverlag“ zu gründen?

 

Breitenseher: Die Idee hat sich am Buch „Radiologisch-klinische Diagnostik“ von Gerhard Lechner und mir entzündet, nach der ersten Auflage des Maudrich Verlag einen neuen Verlag für eine 2. Auflage zu suchen. Es gab Absagen von allen großen Verlagen und so ist die Idee des Wissenschaftsverlags entstanden.

 

ÖRG: Was sind die wichtigsten Grundlagen, um mit einem Wissenschaftsverlag Erfolg zu haben?

 

Breitenseher: Der Erfolg liegt im mehrfachen Überwinden von Misserfolgen. Ich wusste von den MR-Trainer Büchern, wie man Bücher schreibt. Wie ein Verlag tickt jedoch nicht. Am Anfang habe ich eine interessante Zeit gemeinsam mit Peter Pokieser als University Publisher verbracht. Nach einer wirtschaftlich begründeten Trennung konzentrieren wir uns bei „Breitenseher Publisher“ auf die radiologische/medizinische Buchproduktion, wo wir unsere Zukunft sehen.

 

ÖRG: Wie wir alle wissen, kämpft das Verlagswesen massiv mit der Konkurrenz aus dem Internet. Wie ist das bei Breitenseher Publisher?

 

Breitenseher: Die Verlagswelt befindet sich in einem Umbruch. Der klassische Buchdruck ist noch die Cashcow, aber der Umbruch zur elektronischen Welt findet jetzt statt. Wir publizieren daher auch unsere Bücher bei Amazon (Kindle). Besonders wichtig ist uns ein aktuell abgeschlossener Kooperationsvertrag mit dem Thieme Verlag, der mit „Rad-Base“ bzw. dem neuen Namen „e-REF“ Marktführer in der deutschsprachigen Medizin ist und sich als universelle Plattform anbietet.

 

ÖRG: Worauf achtest du am meisten bei der Erstellung eines neuen Buches?

 

Breitenseher: Dass wir die Vorteile eines Kleinverlegers an den Autor und Herausgeber, als auch an den Leser bringen. Dies ist die beste Qualität in allen Buchkomponenten. Im Vergleich zu den großen Verlagen, die mittlerweile europäische, indische und chinesische Ko-Produktionen sind, produzieren wir ausschließlich im deutschsprachigen Raum. Wir erfüllen damit alle strengen und hochqualitativen Standards. Für den Herausgeber und Autor macht sich das in einer persönlichen Betreuung und zeitnahen Prozessabwicklung bemerkbar. Der Leser erkennt die Qualitäten nicht nur an einer topaktuellen Aufmachung, sondern an der Aktualität der Inhalte, da wir als Kleinverlag wesentlich rascher und flinker unsere Projekte abwickeln und abschließen können.

 

ÖRG: Was sind für dich die „Breitenseher Publisher“ Gene?

 

Breitenseher: Das Wichtigste für uns ist die Originalität der Herausgeber und Autoren, die wir in diesem Sinne persönlich und individuell vom Projektstart an betreuen. Hier unterscheiden wir uns auch wesentlich vom Mitbewerber und besonders auch vom angloamerikanischen Markt, wo Bücher zunehmend als Nachschlagwerk und Ausdruck einer Datenbank angelegt sind.

 

ÖRG: Wie lange braucht man um einen Wissenschaftsverlag zum Laufen zu bringen?

 

Breitenseher: Zumindest mehrere Jahre, da ein sehr gutes Buch alleine zu wenig ist. Man braucht das gesamte Umfeld, Logistik, Marketing, etc. Der Durchbruch ist uns erst mit dem Eintreten meiner Tochter, Iris in den Verlag gelungen. Als studierte Wirtschaftlerin hat sie ein professionelles Marketingrezept für einen Kleinverlag entwickelt und umgesetzt. Wir haben jetzt eine stabile Schrittgeschwindigkeit, eine Laufgeschwindigkeit liegt noch vor uns.

 

ÖRG: Was waren die größten Schwierigkeiten und Hindernisse, was die größten Erfolge?

 

Breitenseher: Im Verlagswesen befindest du dich ausnahmslos am freien Markt. Das bedeutet, dass wir uns mit dem Abschluss eines jeden einzelnen Buchprojektes sehr freuen, was zurzeit etwa alle drei Monate der Fall ist. Für den Verlag entscheidend ist jedoch die wirtschaftliche Verwertung. Als kleiner Verlag haben wir hier Schwierigkeiten, kommen jedoch immer besser in Schwung, sodass auch für uns der größte Erfolg immer ein Bestseller ist. Unser aktueller Bestseller ist das Buch „Prostata – Multimodale Bildgebung“ von Friedrich Aigner und Leo Pallwein-Prettner. Ein weitere Bestseller ist die Trilogie von Josef Kramer zu den drei Gelenken der unteren Extremität – wo wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit der European Society of Musculoskeletal Radiology (ESSR) haben und aktuell vor einer vierten Publikation zum Thema „MRI of the Shoulder“ stehen.

 

ÖRG: Wie schaut die Zukunft des Verlagswesens aus und wie im Besonderen die des Breitenseher Publishers? Welche Projekte sind zu erwarten?

 

Breitenseher: In Zukunft wollen wir uns sowohl in die Radiologie vertiefen, als auch in der Medizin verbreitern. Wir wollen neben dem fachärztlichen Bereich auch zunehmend im Studentenbereich Fuß fassen. Die Betreuung nicht-ärztlicher Berufsgruppen ist uns wichtig, wie z.B. Index der MR-Begriffe von F. Stuhr, C. Lindner und J. Kurz, die eine wunderbare Übersicht über die wichtigsten Begriffe aus der MR-Welt bieten. Die Zusammenarbeit mit medizinisch wissenschaftlichen Fachgesellschaften ist mir ein besonderes Anliegen. Wir werden uns sicher verstärkt dem elektronischen Bereich zuwenden und hier versuchen einen Beitrag zu leisten. Auf alle Fälle werden wir uns bemühen bei aktuell interessanten Themen möglichst viele Topseller auf den medizinischen Markt zu bekommen.