COVERSTORY III

Interventionelle Schlaganfalltherapie: vom medizinischen Durchbruch zur anerkannten Schlaganfallbehandlung.

von E. Gizewski

Neuroradiologie und Interventionelle Radiologie revolutionieren mittels intraarterieller, endovaskulärer Therapien die Behandlung bei akutem Insult.

Schon seit langem wurden von Interventionellen Neuro/Radiologen hochspezialiserte endovaskuläre Verfahren über einen minimalen Zugang aus der Leiste therapeutisch angewandt und weiterentwickelt. Fünf randomisierte Studien beweisen nun, das Patienten mit lokaler Thrombektomie und Lyse eine deutlich höhere Chance auf eine Besserung Ihrer Symptome und auf eine optimale Rehabilitation haben, als jene mit nur systemischer Lyse oder ohne Behandlung.

Ein solcher Fall aus der Universitätsklinik Innsbruck wurde im Rahmen der Pressekonferenz vorgestellt und dokumentierte eine solche Erfolgsstory- Thrombektomie:

Ein Insultpatient wurde vom Notarzt eingeliefert. Der diensthabende Neurologe des Schlaganfallteams klassifizierte die neurologischen Ausfälle des Patienten und eine CT Untersuchung wurde durchgeführt. Hier bestätigte sich der akute Verschluss eines großen Hirngefäßes. Bei noch optimalen Zeitfenster wurde mit der systemischen Lysetherapie begonnen. Unter Sedoanalgesie und mit anästhetischer Begleitung führte anschließend die Neuroradiologin eine minimal invasive mechanische Thrombektomie, über einen Leistenzugang durch. Sofort nach dem Eingriff konnte der Patient wieder sprechen und seine zuvor gelähmte Körperseite bewegen. Der begleitende Neurologe dokumentierte die verbesserte klinische Situation und übernahm den Patienten auf die Insultstation zur weiteren Therapie.
Die zusätzliche Behandlung mittels Thrombektomie senkt, sowie in diesem Fall gezeigt, die Mortalitätsrate als auch die Rate der Folgeerscheinungen.

55 Jahre alter Mann, plötzlicher Schwindel und Schwäche im rechten Bein, Treppensturz mit Gesichtsverletzung

20:30 der Notarzt wird alarmiert
21:30 CT wird durchgeführt. Diagnose: Verschluss der a. cerebri media links
Klinik: Halbseitenlähmung, Verlust der Sprache
Intravenöse systemische Lyse wird gestartet
22:30: Beginn der interventionellen mechanischen Thrombektomie, Anästhestische Begleitung

Abläufe:
Zugang über die Leiste, zunächst diagnostische Angiographien, und Darstellung des Verschlusses.
Über den gleichen Zugang mechanische Thrombektomie und Entfernung des Gerinnsels innerhalb von 12 min Eingriffszeit (Bilddoku).

In der Kontrollangio komplette Revaskularisation der A cerebri media. Schleuse wird entfernt, Patient beginnt zu sprechen und bewegt wieder.

Am nächsten Tag: Patient isst selbstständig, bewegt Arm und Bein, lediglich leichte Ungeschicklichkeit am rechten Arm. Sprache fast flüssig.

Bildhafte Darstellung: intraarterielle Diagnostik, interventioneller Eingriff und Kontrolle:

Zeit:  12 min.
 


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Zusammenfassung der randomisierten Studien zur mechanischen Thrombektomie1:
 




Autorin:
Univ.-Prof. Dr. Elke R. Gizewski
Geschäftsführende Direktorin der Abteilung für Radiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck
E-Mail: neuroradiologie@i-med.ac.at

Quellen:

1: Thomalla and Fiehler, Endovaskuläre Schlaganfallbehandlung vor dem Hintergrund der aktuellen positiven klinischen Studien. Nervenarzt 2016, 87: 433-448