COVERSTORY III

MRT der Prostata: Vergleich mpTRUS – mpMRT

Aus: Aigner, Friedrich & Pallwein-Prettner et al. (2016). Prostata – Multimodale Bildgebung (1. Aufl.) S. 91 f. Horn: Breitenseher Publisher.

Die mpMRT der Prostata erfährt zurzeit nicht zu Unrecht einen Boom, zum einen durch ihre hohen negativen Vorhersagewerte für signifikantes PCa, zum -anderen, weil sie sich oft als verlässliche Stütze der urologischen Zuweiser für Ihre „Problempatienten“ (ahnhaltender -Tumorverdacht trotz negativer Präbiopsien) erwiesen hat.  Dabei dürfen die offen ausgesprochenen Ängste unserer urologischen Kollegen nicht -vergessen werden, die befürchten, dass ihre Patienten an die Radiologie verloren gehen. Diese Sorgen lassen sich durch eine forcierte interdisziplinäre Zusammenarbeit zerstreuen. In jeder urologischen Praxis steht ein Ultraschallgerät, sodass initial bei Tumorverdacht eine mpTRUS der -Prostata durchgeführt werden könnte. Viele Studien, auch von urologischen Gruppen -publiziert, belegen den diagnostischen Mehrwert des mpTRUS in der Detektion und -gezielten Biopsie des Prostatakarzinoms. 

Da der mpTRUS kostengünstiger und breiter verfügbar ist als die mpMRT, sollte unserer -Meinung nach vor Durchführung einer mpMRT ein transrektaler Ultraschall der Prostata -durchgeführt werden. Im primärdiagnostischen beziehungsweise niedergelassenen Setting könnte dabei durchaus auf den aufwendigen und invasiven (i. v. Applikation) Kontrastmittel-ultraschall verzichtet werden, dessen Durchführung wohl spezialisierten Zentren vorbehalten bleiben wird. Allerdings muss man sich – wie immer – auch der Limitationen des mpTRUS gewahr sein: -Studien zeigten, dass die mpMRT Vorteile gegenüber den modernen Ultraschalltechniken bei der Erkennung von PCa in zentralen und anterioren Lokalisationen besitzt, vor allem wenn es sich um große Organe handelt. Dies liegt an der mit zunehmender Eindringtiefe -abnehmenden Transmission der Ultraschallwellen. Darüber hinaus sind anterior von Verkalkungen gelegene -Abschnitte der Prostata mittels Ultraschall nicht beurteilbar. Da es sich beim TRUS um eine Freihandtechnik handelt, ist er auch sehr untersucherabhängig; unterschiedliche Firmen -bieten auch unterschiedliche Techniken an.

Die letzten Punkte erklären die zum Teil -heterogene Daten-lage in der Literatur. Die Vorteile des mpTRUS im Vergleich zur mpMRT sind das Scannen der Prostata in Echtzeit, die relativ schnell und unkompliziert durchführbare Biopsietechnik, die Möglichkeit zum -flächendeckenden Ausbau der Methodik und die, im Vergleich zur MRT, geringeren Kosten. Vor allem kann der mpTRUS – im Gegensatz zur mpMRT – multidisziplinär von Urologen und Radiologen durchgeführt werden. Zusammenfassend ist unserer Erfahrung nach eine adaptierte Risikostratifizierung der -äußeren Drüse mit der mpTRUS nicht nur möglich, sondern auch wünschenswert. Diesbezüglich -sollten intensive Schulungsworkshops für die niedergelassenen Urologen und eventuell auch Radiologen in den nächsten Jahren angeboten werden.  Die nachstehende Abbildungsserie demonstriert die Darstellung eines Prostatakarzinoms desselben Patienten mittels beider bildgebender Techniken, nämlich mpTRUS und mpMRT. 













Abb. 1: (a – f) Die modernen Ultraschall- und MRT-Techniken zeigen ein histologisch gesichertes Gleason-Score 7 (4 + 3) Karzinom der äußeren Drüse dorsolateral Mitte links (Pfeil): (a) das B-Bild stellt den Strukturverlust im Tumorherd als echoarmes Areal, (b) das korrespondierende T2-gewichtete MRT-Bild als Areal mit erniedrigter Signalintensität dar.

(c) Die Elastographie stellt die erhöhte Zelldichte im Tumorherd als Areal mit erniedrigter Gewebeelastizität (blau kodiert), (d) die korrespondierende ADC -MAP als Areal mit eingeschränkter Wasserbeweglichkeit (dunkel) dar. (e) Der dynamische Kontrastmittel-Ultraschall und (f) die dynamische Kontrastmittel-MRT zeigen den Tumor (Pfeil) mit vermehrter und rascherer Kontrastmittelaufnahme (e: gelbe Kurve und f: blaue Kurve) im Vergleich zum gesunden Gewebe.