COVERSTORY IV

Mechanische Thrombektomie beim Schlaganfall: Versorgungssituation in Österreich

von J. Trenkler

Weltweit ist der cerebrale Insult einer der häufigsten Ursachen für Tod und bleibende Behinderung. Besonders folgenschwer ist der plötzliche Verschluss einer Cerebralarterie in jenen Fällen, in denen die bisher einzig zugelassene Standardtherapie, nämlich die systemische Lyse, oft unwirksam bleibt.

Auf Basis der 2015 erschienen 5 randomisierten multizentrischen kontrollierten Studien hat sich diese Situation nun aber -nomen est omen - „schlagartig“ verändert. Was schon lange vermutet wurde hat sich nun auch bestätigt: Es besteht höchste Evidenz, dass die angiographische, kathetergeführte mechanische Thrombektomie signifikant bessere Ergebnisse erbringt, als die systemische Behandlung alleine und somit die Standardtherapie für diese schwer betroffenen Insultpatienten darstellt.

Der technische überaus anspruchsvolle Eingriff der mechanischen intracerebralen Thrombektomie wird in Österreich in spezialisierten interventionellen Zentren überwiegend von Radiologen durchgeführt, wobei die meisten Zentren über eine schon langjährige Expertise in der interventioneller Neuroradiologie verfügen und sowohl medizinisch als auch in der technischen Ausstattung auf mittlerweile jahrzehntelange Erfahrung in den Kathetertechniken zurückgreifen können.

Für die interventionellen neuroradiologischen Eingriffe bestehen derzeit in Österreich 11 Zentren in guter geographischer Verteilung, an denen die interventionelle Schlaganfalltherapie durchgeführt wird. Neben der definierten Geräteausstattung und der medizinischen und fachlichen Expertise bedarf es eines interdisziplinären Teams aus Neurologen, Interventionellen Radiologen, Anästhesisten bzw., Intensivmedizinern und Neurochirurgen für die optimale und rasche Behandlung von Stroke Patienten. Diese Zentren müssen auch in der Lage sein, die Interventionellen Eingriffe sieben Tage die Woche rund um die Uhr durchführen zu können. Das bedeutet organisatorisch zumindest 5 Radiologen bzw. Neuroradiologen mit Expertise in der Durchführung der mechanischen Thrombektomie pro Zentrum.

Für eine kontinuierliche Versorgung in bestmöglicher Qualität ist eine entsprechende Ausbildung unumgänglich. Die Fachgesellschaften ÖGIR (Österreichische Gesellschaft für Interventionelle Radiologie) und ÖGNR (Österreichische Gesellschaft für Neuroradiologie) haben dafür ein entsprechendes Modul- und Stufenkonzept aufgesetzt, welches unter anderem die Qualifizierung zur Durchführung der interventionellen Schlaganfallbehandlung regelt. In diesem Konzept sind auch die Voraussetzungen und die Struktur von zertifizierten Ausbildungszentren festgelegt.

Osterreichische neurologische und radiologische Fachgesellschaften, namentlich die ÖGN, ÖGSF, ÖGIR, ÖGNR und ÖRG, haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme den internationalen Richtlinien zur Durchführung der mechanischen Thrombektomie angeschlossen. Die Fachgesellschaften sehen es ferner als ihre Aufgabe, gemeinsam mit Gesundheitsbehörden bzw.-anbietern die Interventionellen Zentren strukturell und qualitativ weiter zu entwickeln.







Autor
Prim. Dr. Johannes Trenkler
Institutsvorstand – Institut für Neuroradiologie
Kepler Universitätsklinikum, Neuromed Campus, Linz
johannes.trenkler@gespag.at