DIGITALE RADIOGRAPHIE: (K)EIN BUCH MIT SIEBEN SIEGELN

Digitale Radiographie

 

von Dr. Gerald Pärtan, Institutfür Röntgendiagnostik, Donauspital imSMZ Ost

 

Mitarbeit von VMSÖ-Fachleuten in der Arbeitsgruppe Digitale Radiographie der Österreichischen Röntgengesellschaft (ÖRG) bündeltInformationsressourcen

Die Digitalisierung des „konventionellen Röntgens“nähert sich etwa 30 Jahre nach der kommerziellen Einführung der ersten digitalenBildverstärker-und Speicherfoliensysteme der Komplettierung. KonventionelleFilm-Folienradiographiewird nur mehr von einer Minderheit an Röntgeninstitutenverwendet, und die Diskussion über die Anwendbarkeit und Zulässigkeitder Digitalen Bildgebung auch für anspruchsvollsteAufgaben – wie Mammographie oder Kinderradiologie ist weitestgehendpositiv abgeschlossen. Moderne Speicherfolien und Festkörperdetektorsysteme sorgen dafür, dass die anfänglichüberzogenen Erwartungen hinsichtlich Dosisreduktion gegenüber der Film-Folienradiographiejetzt endlich auch tatsächlich erfülltwerden können.

 

Trotzdemlauert bei allen digitalen Röntgensystemendie Gefahr des „Exposure Creep“,der schleichenden Erhöhung der Aufnahmedosis.  Das zentrale Paradigmades digitalen Röntgens – höhere Dosis senkt Bildrauschen und bringt dadurch höhere Bildqualität – erfordert ständige Wachsamkeit undkonsequente Qualitätssicherung.Eine Selbstverständlichkeit, die nichts desto Trotz Zeit und dadurchGeld kostet und nicht immer zu denbeliebtesten Aufgaben im radiologischenAlltag zählt. Diese Problematik ist auchheute, fast 20 Jahre nach ersten Erwähnungen noch aktuell, und es wäre wohlvermessen anzunehmen, dass Österreichdiesbezüglich eine Insel der Seligenist.

 

Aufgrund ihrer unvermindertenHäufigkeit sind Radiographienweiterhin für den größeren Teil der medizinischen Bevölkerungsexposition verantwortlich, auch wenn ihre Einzeldosis weitausniedriger als jene einer CT-Untersuchung ist. Außerdem führt dietechnische Entwicklung zu Überlappungenzwischen Radiographie und CT – denkenwir nur an 3D-C-Bögenfür die intraoperative Durchleuchtung, welche CT-ähnlicheRöntgenanwendungen erlaubenund potentiell mit hohen Dosen einhergehen. Durch die digitalen Festkörperdetektoren verschwimmenauch die Grenzen zwischen Radiographie und Durchleuchtung an sich, und es ist bekannt, dass Durchleuchtungsuntersuchungenim Zuge von  radiologisch-interventionellen bzw.  kardiologischen  Eingriffen mit besonders hohen, mitunter auchzu deterministischen Strahlenschäden führenden Expositionen führen können.

 

Selbstverständlich sind diese Expositionen durch gesetzlicheRegelungen und gründliche radiologischeAusbildung kontrolliert. Trotzdem sind vieleInformationen zu diesem Thema für nichtspezialisierte AnwenderInnen nicht ganz einfach zu finden und zu verstehen. Auch sind manche scheinbarsimple und grundlegende Fragen noch nicht einmalabschließend wissenschaftlich geklärt, wie z.B. die Frage der geeignetsten Strahlenqualität (kV, Filterung) für verschiedene Untersuchungsbereiche.Das heute technisch grundsätzlich mögliche automatische Monitoring von Patientendosenscheitert oft noch an einem Mangel angeeigneter Software, welche die gewonnenen Informationen sinnvoll zusammenführen kann.

 

Aus diesen Gründenhat die Österreichische Röntgengesellschaftu.a. eine Arbeitsgruppe „Digitale Radiographie“geschaffen, welche 2012 unter kräftiger Mitarbeit von Radiologen (Dr. MichaelGruber, AKH Wien,OA Dr. Gerald Pärtan,SMZ Ost Wien, Prof. Dr MartinUffmann, LKH Neunkrchen/ NÖ) und einem Medizinphysiker(Prof. Dr. Peter Homolka, AKH Wien) aus demVMSÖ-Vorstand sich gemeinsam mit anderen ausgewiesenen Fachleuten zum Thema Bildqualität und Dosis in der Digitalen Radiographie und Durchleuchtung u.a. folgendeAufgaben gestellt hat:

 

  • Lokalisierung der vordringlichsten und häufigsten Probleme in Österreich, ev. mittelsUmfrage, ev. gemeinsam mit Vertretungen med. technischer Fachkräfte.
  • Zusammenführung relevanter Informationsressourcen (Gesetze, Richtlinien, Empfehlungen, Normen)
  • Schaffungvon (Interne-)Informationsressourcen
  • Schaffungvon Musterempfehlungen für die Ausschreibung von digitalen Röntgenanlagen (Bildqualität, Dosis, automatisierte Qualitätssicherung).
  • Klärungoffener wissenschaftlichtechnischer Fragen.

 

Mitarbeit in der AG DigitaleRadiographie ist willkommen –Interesse bitte  an  gerald.paertan@wienkav.at.

 

Digitale Festkörperdetektor-Radiographie (Abdomen quertisch) mit fehlerhafter und korrigierter Bildvorverarbeitung