FAKTEN ZUR CT- UND MRT- DECKELUNG UND DARAUS FOLGENDEN WARTEZEITEN

Kritisches Pressegespräch Jänner 2012

Fakten zur CT- und MRT- Deckelung unddaraus folgenden Wartezeiten

20 Jahre keine Valorisierung der Tarife bei gleichzeitigerTarifabsenkung – Vertragskündigung


Univ. Doz. Dr. FranzFrühwald, Institut Frühwald St. Pölten, Vorsitzender der BundesfachgruppeRadiologie der Österreichischen Ärztekammer.

 

Obwohl die Tarife bei CT und MRT seit 1990 kein einziges malvalorisiert, aber mehrfach abgesenkt wurden und so kaufkraftbereinigt der Tarifin diesem Zeitraum um 2/3 verfallen ist, hat die Sozialversicherungsseite dieVertretung der Betriebe – die Wirtschaftskammer – in Verhandlungen vor 2 Jahrendurch Vertragskündigungen dazu „motiviert“, einen neuen Vertrag zuunterschreiben, der die aufzuwendenden Summen für CT und MRT auf dem Niveau von2009 einfriert.

Gleichzeitig besteht aus medizinischer Erfordernis eineFrequenzzunahme von durchschnittlich mindestens 2% pro Jahr bei CT und 5% proJahr bei MRT. Eine Untersuchung der Barmer GEK im Arztreport 2011 erhebt fürDeutschland eine jährliche Steigerung von 5,47% beim CT und von 6,82% beim MRT.Dies ist dem Fortschritt der Medizin (neue Einsatzgebiete) zuzurechnen, aberauch verbunden mit einer Erhöhung des Durchschnittsalters der Bevölkerung.


Deckelung trotzChefarztpflicht


Bei verordneten CT-und MRT-Untersuchungen herrscht ein striktes 6-Augen-Prinzip.

Patienten können dieseLeistungen nur auf Grund einer Zuweisung durch einen anderen Arzt (der davonselbst nicht finanziell profitiert) in Anspruch nehmen. Darüber hinaus ist jedeZuweisung chefärztlich durch die zuständige Krankenversicherung zu genehmigen,wobei die Chefärzte den Auftrag haben, alle Untersuchungen, die ihnen nichtmedizinisch gerechtfertigt erscheinen, abzulehnen.

Daher ist denradiologischen Instituten nicht zu unterstellen, dass sie die Mengenvorsätzlich ausweiten, weil sie dazu gar nicht in der Lage sind.

 

Deckelung –Wartezeiten


DieseDeckelungsregelung bedeutet, dass die Honorarsummen auf dem Niveau von 2009beschränkt sind, sodass alle Untersuchungen, welche die Frequenz des Jahres2009 übersteigen, gratis durchzuführen wären.

Eine auf Grund der Zuweisungszahlennotwendige Ausweitung der Untersuchungszeiten ist den Betrieben angesichts derdesaströsen Tarifsituation aber nicht möglich, daher arbeiten alle Betriebeweiterhin auf dem Frequenzlevel von 2009. Zusätzliche Kapazitäten könnten nurdurch Ausweitung der Untersuchungszeiten ermöglicht werden, wobei diese aberwieder mit Kosten (Überstunden, Sonntagszuschlägen, Betriebskosten etc.)verbunden wären.

Die Folge ist –bedingt durch die Zuwachsraten – eine Ausweitung der Wartezeiten aufUntersuchungen.

Die durchschnittlicheWartezeit auf eine CT- oder MRT-Untersuchung hat bis 2009 etwa 1 bis 2 Wochenbetragen.

 

UnproblematischeWartezeiten?


In den Verhandlungenwurde immer darauf hingewiesen, dass die Wartezeiten massiv zunehmen werden,was die Verhandler auf Hauptverbandsseite nicht gestört hat. In denVerhandlungen wurde von der Verhandlungsleitung des Hauptverbandes deponiert,dass 3 oder auch 6 Monate Wartezeit unproblematisch wären.

Mittlerweile bestehenin Österreich durchschnittlich etwa 5 bis 6 Wochen Wartezeit auf einen CT- oderMRT-Termin. Viele Patienten befinden sich allerdings im Krankenstand, währendsie auf einen Untersuchungstermin warten müssen.

 

Bewirkt die Deckelungeine Kosteneinsparung?


Abgesehen vommenschlichen Leid, von den Schmerzen, die hier unnötig ertragen werden müssen undeventuell von der Verschlechterung der Behandlungsmöglichkeiten, hat dies auchwesentliche Folgen für die Arbeitgeberseite.

Den Daten des Fehlzeitenreports 2011 –Krankheits- und unfallsbedingte Fehlzeiten in Österreich (WIFO) sind volks-und betriebswirtschaftliche Kosten für einen unselbstständig Beschäftigten von€ 201,- pro Krankenstandstag (großteils für den Arbeitgeber) zu entnehmen.

Dem gegenüber stehendurchschnittliche Kosten für eine CT- oder MRT- Untersuchung für dieKrankenkasse von € 139,13-.

 

Kosteneinsparung aufder einen Seite führt zur Kostenvermehrung auf der anderen Seite


Dervolkswirtschaftliche Effekt der Ausweitung der Wartezeiten auf einen CT- oderMRT-Termin, der die Behandlung verzögert und Krankenstände verlängert, beträgtunter der Annahme, dass nur 5% aller auf einen derartigen Termin wartendenPatienten sich tatsächlich im Krankenstand befinden pro Tag € 8,3 Millionen,die zum größten Teil die Arbeitgeber bezahlen müssen.

Dem gegenüber erspartsich die österreichische Sozialversicherung in Summe pro Tag € 12.558,-.

So sehr es wichtigist, in der Sozialversicherung zu sparen, so kontraproduktiv ist es, wenn dasam falschen Ort geschieht. Und hier geschieht es eindeutig am falschen Ort.

Es ist einfach nichtsinnvoll, die Bilddiagnostik-Ambulatorien durch „Knebelverträge“ an der Arbeitzu hindern, dabei vergleichsweise geringe Geldsummen einzusparen undgleichzeitig einen hohen Schaden bei allen Arbeitgebern Österreichs zuverursachen. Insgesamt werden während der 4jährigen Laufzeit der Deckelverträgeetwa € 436 Millionen pro Jahr durch die unnötigen zusätzlichen Wartezeiten imBereich CT/MRT verursacht.

Die Menge der CT- undMRT Untersuchungen, die in Österreich erforderlich sind, (2009 waren es 829.059Untersuchungen) wird auch keineswegs durch die selbstständigen Ambulatorienentschieden, sondern ausschließlich durch sämtliche anderen tätigen Ärzte undauch Krankenhäuser, die entsprechende Zuweisungen schreiben. Die gelegentlichunterstellte „Selbst-Zuweisung“ durch die Betriebe (d.h. die Institute ordnendie Untersuchungen selbst an) ist aus den geschilderten Zuweisungs- undBewilligungserfordernissen gar nicht möglich.

 

CT und MRT wichtig fürdie Diagnosestellung


Die österreichischenÄrzte bemühen sich, auf Basis des Standards der heutigen Medizin zu behandelnund nehmen hier die Bilddiagnostik, die fast 80% aller anfallenden Diagnosenerbringt, auch entsprechend ihrem Stellenwert in Anspruch. Auch der Tarif, zudem die Bilddiagnostik-Ambulatorien in Österreich arbeiten, ist – internationalgesehen – einer der niedrigsten. Die öffentlichen Krankenanstalten Österreichsverrechnen als Selbstzahlertarife – die per Gesetz kostendeckend zu kalkulierensind – etwa das Dreifache des Tarifs, den die Sozialversicherungen den privatenInstituten bezahlen.

 

Weg mit dem Deckel –zum Wohle der Patienten


Unsere Forderung istdaher, diese Deckelungsregelung umgehend aufzuheben um die angemessenemedizinische Behandlung der ÖsterreicherInnen nicht zu behindern und die österreichischenArbeitgeber von unsinnigen Krankenstandskosten zu entlassen.

 

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