I. 50 JAHRE PERCUTANE TRANSLUMINALE ANGIOPLASTIE

50 Jahre percutane transluminale Angioplastie: „Das Gelbe vom Ei – Charles Dotter“


Im Pressegespräch vom 03.02.2014 wurde die Entwicklung und Bedeutung der Interventionellen Radiologie der Presse vorgestellt. Die Inhalte der Pressemappen der Hauptredner, Profs Hruby, Lammer und Loewe finden Sie adaptiert, bearbeitet, und mit den persönlichen Meinungen der Experten ausgestattet im Folgenden:

Prim. Univ.-Prof. Dr. med. Walter Hruby, Vorstand des Instituts für Röntgendiagnostik, Donauspital des SMZ-Ost der Stadt Wien

50 Jahre percutane transluminale Angioplastie: „Das Gelbe vom Ei – Charles Dotter“– Ein kurzer geschichtlicher Abriss

Am 16.01.1964 wurde von Charles Dotter erfolgreich, mit Hilfe der von ihm entwickelten Kathetertechnik, ein verengtes Gefäß aufgedehnt, sodass der Fuß des Patienten, der von der Amputation bedroht war erhalten werden konnte und der Patient bereits am nächsten Tag gehend ohne offene Operation das Spital verließ.
Mit Charles Dotter begann damit die unglaubliche Erfolgsgeschichte der Interventionellen Radiologie. Immer mehr Möglichkeiten und verbesserte Techniken entstanden, um die arterielle Verschlusskrankheit, und damit insbesondere den offenen diabetischen Fuß und die kritische Ischämie ohne offene Operation behandeln zu können.

In den ersten Jahrzenten noch heiß zwischen den Fachgruppen diskutiert, ist die Methode der Angioplastie heutzutage absolut Methode der Wahl, und wird millionenfach angewandt. Die Bedeutung für die betroffene Patientengruppe ist unermesslich: Denn zum einen kann das Leid, das durch offene und von der Amputation bedrohte Gliedmaßen entsteht , über einen kleinen perkutenen Zugangsweg aus der Leiste geheilt oder zumindest gelindert werden, zum anderen gelang es aber tatsächlich auch die Zahl der Amputationen deutlich zu senken oder zumindest zu verzögern.

Rasch wurde die Technik von Charles Dotter nicht nur mit Enthusiasmus aufgenommen, sondern auch weiter entwickelt: Grüntzig war es vor allem, der die PTA an den Herzkranzgefäßen initialisierte, in deren Weiterentwicklung die Kardiologie gleichermaßen revolutioniert wurde. Belan in der CSSR und Mortarjeme in den USA, sowie Matthias in Deutschland setzten die Gefäßdehnungen 1980–82 auch bei Verengungen in den Halsschlaggefäßen ein. Ein weiterer Meilenstein der Indikationserweiterung gelang Josef Rösch, der ein direkter Schüler Charles Dotters und Direktor des „Dotter Interventional Instituts“ in Portland war, und die Technik des transjugulären portosystemischen Shunts entwickelte, einem System, welches bei vielen Patienten mit Leberzirrhose eingesetzt wird.

In Wien war es insbesondere Prof. Friedrich Olbert, der diese Methode, als Leiter  des Röntgeninstitut der 1. Chirurgischen Abteilung  im KH Lainz pionierhaft  vorantrieb: Grundstein war eine Einladung zu Prof. Zeitler nach Aggertal, wo Dotter die erste Vorstellung einer transluminalen Dilatation mit dem Dotterkathter, damals einem 12 F Coaxialsystem präsentierte. Friedrich Olbert war miteingeladen und brachte die Methode nach Wien, wo er sie im KH Lainz einführte und rasch weiterentwickelte. Transhepatische Verödung von Ösophagusvarizen und die Embolisation von Nierentumoren sind nur einige weitere Punkte der Pionierarbeit von Prof. Olbert. Insbesondere entwickelte er auch gemeinsam mit Ljubomir Hanec`ka den „Olbert Katheter“, welcher 1978 patentiert wurde. Friedrich Olbert war es auch, der in Wien 1985 die europäische Gesellschaft für cardiovasculäre und interventionelle Radiologie (CIRSE) gründete, und zugleich auch deren 1. Präsident war. Mittlerweile hat sich die CIRSE, mit Sitz in Wien zu einer der weltweit führenden Gesellschaften auf dem Gebiet der endovaskulären Therapien entwickelt.

Viele weitere bedeutende Kollegen folgten und setzten internationale Maßstäbe , insbesondere der Leiter der größten interventionellen Einheit in Österreich, Johannes Lammer, der 2006-2007 auch Präsident der CIRSE war. (siehe auch: Die Entwicklung der interventionellen Radiologie, JATROS Radiologie; 4/2005) Die besondere Entwicklung der interventionellen Radiologie und im Speziellen der perkutanen transluminalen Angioplastie (PTA) in Österreich ist mehr als erstaunlich und wird auch international entsprechend beachtet, zeigt sie doch die starke fachliche Stellung, welche die interventionelle Radiologie in Österreich einnimmt. Mittlerweile werden sämtliche Katheter-, Ballondilatationen- und Gefäßstents, ob beschichtet oder nicht beschichtet, in allen Gefäßbereichen inklusive der Anwendung im Gehirn – Stichwort Schlaganfallprophylaxe und Therapie, von bestausgebildeten interventionellen Radiologen in Schwerpunktkrankenhäusern und Zentren in Österreich durchgeführt.d Therapie, die nicht von bestausgebildeten interventionellen Radiologen in Schwerpunktkrankenhäusern und Zentren in Österreich durchgeführt werden.

Auch volkswirtschaftlich sind die Vorteile der Interventionellen Radiologie ausgewiesen: Die Spitalsaufenthaltsdauern wurden mit Einsatz der PTA deutlich verkürzt und der wirtschaftliche Aufwand – sprich auch die Kosten – fielen deutlich geringer aus als mit offenen chirurgischen Möglichkeiten (Kostenersparnis 50 – 60 %). Immer häufiger werden auch die invasiv interventionellen radiologischen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten interdisziplinär gemeinsam mit offenen chirurgischen Maßnahmen kombiniert. Hinter dieser großartigen Erfolgsgeschichte steckt harte Arbeit, vor allem aber auch Unerschrockenheit und Enthusiasmus all jener, die daran mitgearbeitet haben. Historisch sind damit auch jene Voraussetzungen entstanden, die von einer neuen, jungen Generation weitergetragen werden sollen.

Prof Walter Hruby ist Vorstand des Institutes für Radiologie am SMZO, er war Sekretär von Prof Olbert, während der Gründungszeit der CIRSE, und ist selbst internationaler Experte im Bereich der Urointervention. Neben zahlreichen innovativen Prozessen, arbeitete er maßgeblich an der Nutzung digitaler Techniken für die Dokumentation und Kommunikation in der Interventionellen Radiologie.

INTERVIEW

S.g. Prof Hruby, lieber Walter,

TR: Du hast viele Jahre und Jahrzehnte „interventionelle Radiologie“ durchlebt. Wie kam es Deiner Meinung nach dazu, dass die IR in Österreich tatsächlich so stark wurde und so einen guten Nährboden fand?

WH: Ich denke, dass die IR und die damit verbundene klinische Mitverantwortung und Patientennähe für viele Kollegeninnen ein Hauptmotiv ist, als FA für Radiologie tätig zu sein. Es ist dies eine deutliche Erweiterung des Faches in Richtung klinischer Öffnung, und das wird vor allem von vielen jungen Kollegen genauso gesehen. Mit der IR hat die Gesamtradiologie noch mehr Attraktivität erhalten, und die IR ist ein starker Motivationsfaktor.

TR: Wohin wird sich die IR in den nächsten Jahrzehnten bewegen? Wo siehst Du noch weiteres Potential, wo siehst Du möglicherweise Limitationen?

WR: Unser Potential liegt ausschließlich in dem weiteren Ausbau und der Entwicklung unserer Expertise im interdisziplinären Zusammenwirken am Patienten. Limitationen bestehen ausschließlich darin, eine interventionelle Bereitschaft 7Tage/24h durchgehend fachlich zur Verfügung stellen zu können. Leider wird ein solches Projekt jedoch zurzeit nicht mit dem erforderlichen Enthusiasmus und dem Engagement und mit dem Verständnis der Krankenhaus Träger unterstützt und gefördert. Die IR wird das Gesamtfach mit absichern, wenn es uns gelingt als Team 7 Tage /24 h die Woche durchgehend für die Patieten klinisch aktiv zu sein.

TR: Wie ist Deine Meinung zum „ Interventionelle Bereitschaftsdienst“. Warum ist es so schwer diesen bei uns einzuführen?

WH: Der Hauptgrund ist, dass der Wert dieser Notwendigkeit nach wie vor nicht ausreichend geschätzt und auch nicht einer entsprechenden Systemisierung und Honorierung zugeführt wird. Der Konsens „ Interventioneller Radiologischer Bereitschaftsdienst“ kann nur ein Übergang zu einem definitiven Interventionell Radiol. Dienst sein.

TR: Welchen Rat gibst Du einem jungen Interventionellen Radiologen auf seinen Weg mit?

WH: Dass er sein Wissen so rasch wie möglich vermittelt und die Begeisterung auf die jüngeren Kolleginnen überträgt und alles unternimmt das Fach klinisch zu entwickeln und zu etablieren. Er sollte daran arbeiten, dass die Interventionelle Radiologie vergleichbar mit einer klinischen Abteilung wird, welche die Patientenverantwortung durch eigene abteilungszugeordnete Belagsmöglichkeiten verwirklicht- z.B. interventionelle Radiologie in der Onkologie

TR: Eine weitere Aktivität von Dir war die Umfrage „Interventionelle Radiologie in Österreich“, welche die Situation, Verteilung und Aktivitäten der interventionellen Abteilungen in Österreich darstellt.
Die Umfrage ist sehr erfolgreich mit sehr hohen Rücklaufquoten verlaufen, und die detaillierten Ergebnisse sind am Ende des Interviews als Download abrufbar. Kannst Du mit einigen wenigen Sätzen die Kernaussagen darstellen?

WR: Die Konzentration der Interventionellen Leistungen liegt natürlich in den Universitäts- und Schwerpunktspitälern. Alles muss unternommen werden um hier die Präsenz vor allem im Nachtdienst zu stärken.
Hochinteressant sind die Verteilungen, da gibt es eine große individuelle Bandbreite, so etwa Abteilungen die z.B. in der Punktion intensiv schallgezielt arbeiten, während andere Abteilungen, nahezu ausschließlich CT gezielt punktieren. Auch in manchen anderen Punkten können solche Expertisen ausgetauscht und verbreitert werden.
Auf Basis der Ergebnisse der Umfrage sollen Ausbildungsmöglichkeiten und Trainingsmöglichkeiten ausgebaut werden. Eine enorme Bereicherung sollte dabei das neue geplante Simulationszentrum im KH Nord werden.


Umfrage „Interventionelle Radiologie in Österreich“