10 JAHRE FACHARZTPRÜFUNG

10 Jahre Facharztprüfung

Die Facharztprüfungen wurden in Österreich per 1.1.2002 von Gesetzes wegen eingeführt. Mittlerweile sind 10 Jahre verstrichen, eine gute Zeitspanne um hinsichtlich der Facharztprüfung Radiologie Bilanz zu ziehen. Basierend auf den Erfahrungen aus der freiwilligen Facharztprüfung wurde unter der Leitung von Prim. Univ. Prof. Dr. Dimiter Tscholakoff eine dreiteilige Facharztprüfung konzipiert, bestehend aus einem Multiple Choice-Teil mit insgesamt 50 Fragen (der „Physikprüfung“), dem Kurzantwort Fragen-Test (KAF), bei dem 14 von 20 Quiz-Fällen zu lösen sind, und der strukturierten mündlichen Prüfung (SMP), bei der insgesamt 10 Fälle (je einer aus den 10 Teilgebieten der Radiologie) von 10 verschiedenen Prüfern geprüft wurden.

Seit der Einführung der Facharztprüfung wurde diese kontinuierlich weiterentwickelt. So zeigte sich mit zunehmender Anzahl der KandidatInnen, dass eine strukturierte mündliche Prüfung mit insgesamt 10 Fällen à 15 Minuten (insgesamt 2,5 Stunden) nicht praktikabel ist. Es wurde daraufhin die strukturierte mündliche Prüfung auf 5 Fälle aus 5 Teilbereichen reduziert, wobei die zu prüfenden Teilbereiche durch das Zufallsprinzip ermittelt werden. Die Erfahrungen mit der Facharztprüfung und das Feedback der KandidatInnen waren Anlass, die Facharztprüfung in diesen 10 Jahren kontinuierlich den Anforderungen anzupassen, um sie transparenter und praxisnäher zu machen. Den berechtigten Klagen der KandidatInnen hinsichtlich der Qualität des zur Verfügung gestellten Bildmaterials im JPEG-Format konnten wir 2009 Rechnung tragen, als ein neuer DICOM-Viewer (K-PACS) installiert wurde, der auch die Betrachtung von CT- oder MRT Serien in diagnostischer Qualität ermöglicht. Ein Schritt, der damals, wie so oft bei Neuerungen, für Aufregung sorgte. Es war aber eine bewußte Entscheidung, mit K-PACS keinen DICOM-Viewer einer der großen PACS- Firmen zu verwenden, um allen KandidatInnen gleiche Startbedingungen zu verschaffen. Mittlerweile ist dieser sehr intuitiv zu bedienende und einfache DICOM-Viewer allgemein bekannt und akzeptiert.

Ein wichtiger Schritt war es, für die KandidatInnen möglichst viel Transparenz, was Prüfungsinhalte und Schwierigkeitsgrad betrifft, zu garantieren. Wir konnten nun nach Verhandlungen mit der Akademie der Ärzte (der Österreichischen Ärztekammer) erreichen, dass der ÖRG erlaubt wurde, sämtliches Bildmaterial der KAF-Tests inklusive Angaben und Lösungen auf der Homepage der ÖRG zu platzieren, wo sie zu Übungszwecken heruntergeladen werden können (Abb. 1). Sie finden dort die jeweils 20 KAF-Fälle der letzten 7 Facharztprüfungen (insgesamt ca. 3 GB!). Damit können die KandidatInnen nun in der Vorbereitungsphase zur FAP mit „echtem“ Bildmaterial eine Prüfung simulieren (Abb. 2-4). Es versteht sich von selbst, dass das Bildmaterial Copyright-geschützt ist. Es darf daher nur zu Übungszwecken angesehen werden, nicht jedoch für Vorträge, Publikationen o.ä. verwendet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 


Ein in den Feedback-Bögen der KandidatInnen geäußerter Kritikpunkt war auch die Verwendung von Hardcopies für die strukturierte mündliche Prüfung. Oft wurde uns vorgehalten, dass jüngere Kollegen gar nicht mehr gelernt hätten, anhand von Hardcopies CT oder MRT zu  befunden. Diese Kritik wurde aufgenommen und in Verhandlungen mit der Akademie der Ärzte erreicht, dass die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um in den Facharztprüfungen ab September 2012 auch den SMP-Teil mit Workstations abzuhalten. Der klinische Teil der Facharztprüfung ist somit ganz „digital“, wofür wir der Akademie der Ärzte zu Dank verpflichtet sind, da die Abhaltung unserer FAP für die Akademie der Ärzte aufgrund der anzumietenden Workstations verglichen mit anderen Fächern eine durchaus kostenintensive Prüfung ist. Durch das gute Gesprächsklima mit der Akademie der Ärzte konnte also eine für die KandidatInnen sehr vorteilhafte Lösung erreicht werden!

Es wird auch immer wieder von den KandidatInnen Kritik daran geäußert, dass zwischen dem ersten und zweiten Teil und dem zweiten und dritten Teil der Prüfung längere Wartezeiten bestehen, die natürlich belastend sind. Der Grund liegt darin, dass wir aus Kapazitätsgründen nicht alle KandidatInnen gleichzeitig prüfen können. Es sind für die mündliche Prüfung insgesamt 10 Prüfer und 10 Beisitzer im Einsatz (!), eine Zahl, die wir aus Gründen der Kosten und Verfügbarkeit kompetenter Prüfer nicht weiter erhöhen können. Zumindest ist aber bei einem Buffet für Speis und Trank gesorgt, um die Wartezeit zu überbrücken.

Seit dem Start der FAP 2002 mit einem Kandidaten sind mittlerweile in den letzten 10 Jahren insgesamt 326 KandidatInnen zur Prüfung angetreten, von denen 90,3% die Prüfung beim 1. Antreten absolviert haben. Wir können mit Recht stolz sein auf die hohe Zahl „geprüfter“ Fachärzte für Radiologie in Österreich. Auch die seit 2010 bestehende Möglichkeit, den Multiple Choice-Test (über Röntgenphysik, Strahlenschutz, Kontrastmittelkunde, etc.) vorzuziehen, wurde mittlerweile von 212 KollegInnen genutzt, mit einer Bestehensquote von insgesamt 95%!

Ich habe die Funktion des Verantwortlichen für die Facharztprüfung Radiologie 2008 übernommen und bin in dieser Funktion mittlerweile insgesamt 2 Funktionsperioden im ÖRG-Vorstand tätig. Ich habe in der Zwischenzeit auch eine Funktion im “European Board of Radiology“ (EBR) übernommen, welches eine freiwillige Facharztprüfung Radiologie, das “European Diploma in Radiology“ (EDiR), abhält. Bei der Entwicklung dieses europäischen Diploms sind auch sehr viele Erfahrungen aus der österreichischen Facharztprüfung eingeflossen, da wir im europaweiten Vergleich eine sehr fortschrittliche und gut standardisierte Facharztprüfung haben. Die Tätigkeit für das “European Board of Radiology“ wird in Zukunft noch mehr Zeitressourcen in Anspruch nehmen, sodass ich nach 4 Jahren die Verantwortung für die österreichische Facharztprüfung meinem Nachfolger übergeben werde, der/die bei der Jahreshauptversammlung der ÖRG im September 2012 gewählt werden wird.

Ich wünsche ihm/ihr viel Kraft, Ausdauer und Ideen, um unsere Facharztprüfung in den nächsten Jahren weiter zu verbessern. Ich wünsche auch allen KandidatInnen viel Erfolg bei der Besteigung dieses wichtigen Gipfels ihrer Berufslaufbahn.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr
Wolfgang Schima