4P-RADIOLOGIE: PRÄDIKTIV, PERSONALISIERT, PARTIZIPATIV UND PRÄVENTIV

Kritisches Pressegespräch Jänner 2012

Univ.Prof.Christian Herold, Universitätsklinik für Radiodiagnostik, MedizinischeUniversität Wien. E-Mail: christian.herold@meduniwien.ac.at

 

Die 4-P-Medizin repräsentiert einen neuen „Trend“ in derMedizin – die 4 P’s stehen für prädiktiv, präventiv, personalisiert undpartizipativ und definieren eine Reihe von Paradigmenwechsel in der modernenMedizin. Kontinuierliche Forschung im letzten Jahrzehnt, insbesondere in dermolekularen Medizin, ermöglicht heute ein generelles Umdenken in vielenBereichen.

 

Das Ziel einer prädiktiven Medizin istes, sowohl in Individuen als auch in Gruppen zukünftige Gesundheitsproblemevorherzusehen und damit die Möglichkeit für Frühinterventionen und Präventionzu schaffen.

Zumgegenwärtigen Zeitpunkt werden ca. 75% aller Gesundheitskosten zur Betreuungvon Patienten mit chronischen Krankheiten verwendet. Allein aus ökonomischenGründen ist ein Umdenken, und ein Umleiten vorhandener Ressourcen in Richtungeiner prädiktiven, also vorhersehenden, undpräventiven, also verhütenden, Medizin nötig.

 

Vorhersehenist aber noch nicht gleichzusetzen mit Verhindern! Es sind sowohl einpersonalisierter Zugang zur Beurteilung des Erkrankungsrisikos sowie ein maßgeschneiderterTherapieansatz für jedes Individuum notwendig, um den Ausbruch von Erkrankung auchzu verhindern und/oder kurative Ansätze in behandelbaren Frühstadien zuermöglichen.

Die personalisierte Medizin istauch für Patienten mit bereits bestehenden Erkrankungen möglich und notwendig.Bei jedem Menschen kann die genetische Ausprägung einer Krankheitunterschiedlich sein, woraus sich auch unterschiedliche Behandlungs-Strategienergeben. Um das Ziel einer personalisierten Medizin zu erreichen, ist diePartizipation von Individuen, der Gesellschaft, von Patientenorganisationen undGesundheitseinrichtungen sowie Sozialversicherungen notwendig.

 

Die Radiologie kann wesentlicheBeiträge zur 4P-Medizin leisten. In der präventiven Medizin können molekulareMarker-Stoffe wichtige Hinweise auf das Erkrankungsrisiko von Individuen undPersonengruppen geben. Für die prädiktive Medizin sind Screening-Programme,welche bei Risiko-Populationen Erkrankungsformen in einem heilbaren Stadiumidentifizieren, nicht mehr wegzudenken.

 

Hier hat das „National LungScreening Trial“ aus den USA bereits nachgewiesen, dass durch Screening mittelsNiedrig-Dosis-CT bei starken Rauchern in einer bestimmten Altersgruppe die Lungenkrebs-Sterblichkeitdeutlich gesenkt werden kann. Ähnlich wichtige Ergebnisse liegen auch durch dasMammographie-Screening vor. In den Niederlanden wird „Population Imaging“ zumNachweis von Erkrankungen und deren Frühformen bei Bevölkerungsgruppen herangezogen,um präventive Strategien zu entwickeln. Diese präventive Medizin ist jedoch nichtohne bestimmte Biomarker in der Bildgebung („Imaging Biomarker“) möglich,welche für Erkrankungen sensitive und spezifische Nachweismethoden ermöglichen.

 

Imaging Biomarker sind ebensowichtig für die personalisierte Medizin um die richtige Therapie für denrichtigen Patienten zum richtigen Zeitpunkt zu Verfügung zu stellen. Diemolekulare Bildgebung ist eine der wichtigsten Neuentwicklungen, welche dieDarstellung spezifischer Krankheitsmerkmale zum Beispiel bei Prostata- oderMamma-Karzinomen ermöglicht.

 

Die direkte Interaktion vonPatientInnen und RadiologInnen, sowie Gesundheitseinrichtungen undSozialversicherungen ist notwendig – nicht nur im Rahmen von Screening-Programmen,sondern auch bei der Diagnose von Erkrankungsformen, die derzeit unsereGesundheit bedrohen. Auch die Partizipation der PatientInnen selbst amDiagnose- und Therapieprozess ist von zunehmender, die Rolle derInformationstechnologie in der Unterstützung dieses Unterfangens von höchsterWichtigkeit. Eine engere Bindung zwischen PatientInnen und ihren RadiologInnenals zentrale Steuerpersonen im Gesundheitswesen ist unabdingbar, um den Wertder Bildgebung nicht nur für die Gesellschaft sondern auch für das Individuumzu definieren.

 

Wir möchten daher die Rolle derRadiologie in der Frühdiagnostik und ihr Beitrag zur früheren und genauerenTherapie verdeutlichen und an die Verantwortlichen im Gesundheitssystemherantragen.