LOW-DOSE COMPUTERTOMOGRAPHIE – EINE NEUE CHANCE FÜR RAUCHER

Kritisches Pressegespräch Jänner 2012

Univ.Prof. Dr. Wolfgang Dock, Röntgenordination Dock, Mendel, PrivatklinikJosefstadt, Confraternität Wien.

 

Vor ein paar Tagen war der Vatereines Freundes in der Ordination; er hustet seit ein paar Monaten, es wird eherschlechter. In der letzten Zeit hat er Blut gespuckt. Das Lungenröntgen zeigtdas Unvermeidliche: Lungenkrebs! Die Computertomographie (CT) lässt erkennen,dass es zu spät ist. Warum hat er nicht gewusst, dass wir schon seit dem Jahr2002 Low-Dose-CT zur Früherkennung des Lungenkrebs machen?

 

Gut,es war zwar immer klar und logisch, dass diese Methode ausgezeichnetfunktioniert. Mit Hilfe eines computerassistierten Detektionssystems wird jeder- auch noch so kleine - Herd in der Lunge gefunden. Das bedeutet, dass dieGenauigkeit der Methode (Sensitivität) nahezu 100% ist. Natürlich sind 99% davonvöllig unbedeutend, 20% der Nichtraucher und ca. 40% der Raucher habennormalerweise solche winzige Rundherde in der Lunge! Weniger als ein Prozentdieser Veränderungen beginnt zu wachsen. Diese wachsenden Veränderungen, diewir durch das perfekte Detektionsprogramm spielend leicht bei derKontrolluntersuchung finden und halbautomatisch volumetrieren können, sind diepositiven Befunde, diese wenigen Fälle gilt es weiter abzuklären. So einfachist das!

 

Manchmalwachsen auch entzündliche Veränderungen, ohne dass sich der Patient auch nurirgendwie krank fühlt. Daher sollte man bei wachsenden Herden evtl. auch einezehntägige Antibiotika-Kur überlegen und die Low-Dose-CT in einem Monatkontrollieren. Die meisten entzündlichen Veränderungen werden dann kleiner oderverschwunden sein. So kann man die falsch positiven Befunde reduzieren, weil esja keine Kleinigkeit ist, von einem kleinen Rundherd der Lunge mit einer Nadeleine Gewebeprobe zu entnehmen oder ihn vom Chirurgen entfernen zu lassen.

 

Tja,so einfach wäre das, aber wer weiß das?

Jahrelanghaben wir auf den Beweis warten müssen, dass das Lungenkrebs-Screeningfunktioniert. Endlich ist er da: eine große amerikanische Studie, die NLST (Reduced Lung-Cancer Mortality with Low-DoseComputed Tomographic Screening. The National Lung Screening Trial [NLST]Research Team. June 29, 2011) zieht einen klaren Schluss:Lungenkrebs-Screening mit Low-Dose-CT senkt die Sterblichkeit (Mortalität)dieses bisher größten Killers unter den Krebserkrankungen! Über 4.000 Menschensind es jedes Jahr in Österreich, bei denen die neue Diagnose Lungenkrebsgestellt wird. Fast ebenso viele gehen jedes Jahr qualvoll an dieser Erkrankungzu Grunde, weil es keine Vorsorge gibt und man mit der Diagnose fast immer zuspät dran ist.

 

„Naja“, werden manche sagen, „sind ja alles Raucher. Steht ja auf jeder Packungdrauf. Selber schuld“. Aber so einfach ist das nicht: andere essen zu viel,wieder andere fliegen mit einem Paragleiter oder betreiben andere gefährlicheSportarten. Wieder andere infizieren sich mit HIV oder sonstigen Keimen. Wirsind eben eine Solidargemeinschaft, besonders was das Gesundheitssystem angeht.Andererseits wäre mit einer Abgabe von einigen wenigen Cent, vielleicht 4 oder5, pro Zigarettenpackung, die zweckgebunden werden, alle Kosten derBronchuskarzinom-Vorsorge abgedeckt.

 

Fazit:

Mitdem notwendigen hohen technischen Aufwand gelingt erstmals eine Früherkennungdieses größten Killers unter allen Krebserkrankungen.

Dadurchergibt sich in vielen Fällen die Möglichkeit einer zeitgerechten chirurgischenTherapie und  damit der Heilung dieserErkrankung.

Voraussetzungfür eine signifikante Reduktion der Sterblichkeit des Lungenkrebs ist dieTeilnahme von möglichst vielen Mitgliedern der Risikogruppe (=starke Raucherüber 50).