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Kurative Behandlung von Lebertumoren ganz ohne Skalpell

Hepatozelluläre Karzinome (HCC) sind die weltweit am häufigsten auftretenden Lebertumore. Doch oftmals ist eine chirurgische Entfernung aufgrund der Anzahl und Lage der Tumore als auch der schlechten hepatischen Funktionsreserve nicht möglich. Die Fachärzte können in diesen Fällen auf minimalinvasive Techniken wie Mikrowellenablation (MWA) und nichtinvasive Methoden mittels Hochfokussiertem Ultraschall (HIFU: High Intensity Focused Ultrasound) zurückgreifen.

Die Mikrowellenablation mit AMICA (Apparatus for MICrowave Ablation) ist eine nicht chirurgische, lokale Behandlungsmethode, bei der durch den Einfluss von Hitze Tumorzellen abgetötet werden. Durch einen in den Tumor eingeführten Applikator wird Mikrowellenenergie geleitet. Diese verursacht die Stimulation von Wassermolekülen im Zielgewebe. Die dadurch erzeugte Wärme resultiert in einer thermischen Koagulation des Tumors. Verschiedene Wellenlängen individualisieren den Wirkungs- und Hitzeradius. Ebenso wie die Vorgängertechnologie minimalinvasive Hochfrequenzablation (RFA) wird die Mikrowellenablation als perkutanes bildgebungsgesteuertes Verfahren meist in der Computertomographie (CT) durchgeführt. Obwohl beide Behandlungsmethoden eine thermische Ablation des Tumorgewebes verursachen, unterscheiden sich die Mechanismen der Wärmeentwicklung in Bezug auf die Quelle der angewandten Energie und der Ausbreitung im Gewebe.

Während Strömungen der Hochfrequenzablation nur in hochleitfähigen Bahnen fließen, sind Mikrowellen zusätzlich in der Lage, sich auch innerhalb von Gewebe mit niedriger Leitfähigkeit auszubreiten. Die Mikrowellenablation erhitzt aktiv eine große homogene Gewebemenge rund um die Applikationssonde, während die Erhitzung durch die Radiofrequenz für Bereiche mit einer hohen Stromdichte nah an der Antenne limitiert ist. Aufgrund der Unabhängigkeit von der Impedanz des umgebenden Gewebes, kann die Mikrowellenablation hohe Temperaturen entwickeln. Folglich erreicht die Mikrowellenablation eine größere homogene Nekrose in einer kürzeren Zeitspanne. Grund dafür ist eine tiefergehende Durchdringung des Gewebes, die durch eine geringere Anfälligkeit für konvektiven Wärmeverlust z. B. durch hepatischen Blutfluss ergänzt wird. Weitere Vorteile sind ein geringeres Risiko von Hautverbrennungen und eine eingeschränkte Reaktion auf den schützenden Kühlkörper-Effekt von peritumoralen Gefäßen. Damit erscheint die Hochfrequenzablation innerhalb der Peripherie des Ablationsbereiches als ineffektivere hitzebasierte Technik.

Die Mikrowellenablation induziert eine kreisförmige Ablationszone, die vor allem bei der Behandlung von größeren Tumoren an Bedeutung gewinnt. Diese kann durch die zeitgleiche Verwendung mehrerer Sonden noch maximiert werden.

Minimalinvasive Techniken, wie RFA oder MWA scheitern an der Behandlung von Tumoren in der Nähe von großen Blutgefäßen, da dort ein substanzielles Risiko der Verletzung dieser Strukturen besteht. Die nichtinvasive Behandlungsmethode HIFU schädigt diesbezüglich kein Gewebe, das an den Strahlengang angrenzt.

Als wenig belastende und risikoarme Form der Pancreas- und Lebertumorbehandlung zeichnet sich HIFU durch eine hohe Erfolgsrate bei der lokalen Kontrolle von dieser Tumoren und Metastasen in diesem Behandlungsgebiet aus. Im Vergleich zu einer radikalen und aggressiven Entfernung des betreffenden Tumors stellt sich das HIFU-Verfahren als deutlich nebenwirkungs- und komplikationsärmer dar.

HIFU kommt ohne den Einsatz eines Skalpells und der Einführung von Sonden aus. Zudem wird der Patient keiner schädlichen Strahlenbelastung ausgesetzt, da die Erwärmung des Gewebes jeweils nur am Ort der Fokussierung entsteht und auch die Bildgebung MRT- oder Ultraschallgesteuert durchgeführt wird. HIFU verursacht keine Verletzung der Haut, da der Ultraschall nur in der Tiefe des Gewebes wirkt.

Durch die Benutzung von nichtionisierender Energie ist HIFU die einzige Technik die komplett extrakorporal große Bereiche von Koagulationsnekrosen bei der Behandlung von benignen und malignen Tumoren erreicht. Grundvoraussetzung für HIFU ist eine genaue Zielführung mittels MRT oder Sonographie. Nach einer millimetergenauen Lokalisation bündelt ein parabolförmiger Schallkopf des Gerätes die Ultraschallwellen im Zielgewebe. Hierbei entstehen Temperaturen bis zu 90 Grad Celsius. Die durch die Schallwellen übertragene Energie trifft auf den Tumor und kann diesen punktgenau durch die intakte Haut zerstören ohne umliegendes Gewebe anzugreifen.

HIFU ermöglicht somit nicht nur eine effektive und sichere Tumorbehandlung, sondern auch eine bildgebende Steuerung über die Ultraschallsonde. Die visuell unterstützte Fokussierung der Schallwellen in Echtzeit erlaubt damit den Einsatz des Gerätes vorzugsweise im Bereich der Oberbauchorgane. Ein großes Therapiefeld dieser Methode ist ebenso die Behandlung von Gebärmuttermyomen. Hier kommen die Vorteile dieses Verfahrens besonders den Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch sehr zum Tragen.

Der minimalinvasive bzw.- nichtinvasive Charakter, eine geringe therapieassoziierte Komplikationsrate im Zusammenhang mit einer hohen lokalen Effektivität lässt sowohl der MWA als auch HIFU innerhalb der interventionellen Therapien für Lebertumore eine herausragende Rolle zukommen.