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Neues Mammografie-Biopsiesystem spart Zeit und Kosten

Experteninterview mit Prof. Dr. Heinz vom Universitätsklinikum St. Pölten

Mit der Einführung der Tomosynthese (3D-Schichtbildgebung) in der Mammografie wurde die Sensitivität und Spezifität bei Röntgenuntersuchungen der Brust deutlich gesteigert. Unklare Strukturen im Ultraschall oder in der herkömmlichen Mammografie können nun durch die Tomosynthese häufig charakterisiert werden. Die bisher häufig durchgeführte weitere Abklärung von Läsionen mittels MRT war oft aufwändig und nicht immer zielführend.

Seit 18 Monaten bietet die Firma Hologic ein Biopsiesystem an, das neben der herkömmlichen Bildgebung mit Tomosynthese und synthetischer 2D-Bildgebung auch eine Tomosynthese gesteuerte Biopsieführung anbietet. Mit dieser neuen Technik können teure und für die Patientin unangenehmere MRT Biopsien deutlich reduziert werden. Eines der ersten Geräte dieser Art (Hologic Selenia Dimensions 3D) wurde im Mai 2014 bei Fr. Prof. Dr. Gertraud Heinz im Universitätsklinikum St. Pölten installiert.

Fr. Prof. Dr. Heinz, Sie haben sich entschieden die Tomosynthese gesteuerte Biopsie in ihrem Institut einzusetzen. Was war für Sie der Grund, sich für dieses Gerät zu entscheiden?

Das Ziel des Landesklinikums St. Pölten war die Etablierung eines neuen Kompetenz-Zentrums für Mammografie. Voraussetzung für eine neue Schwerpunkteinrichtung ist eine hochwertige Geräte-Ausstattung, die optimale Diagnostik- und Interventionsmöglichkeiten bietet und nicht zu Letzt auf den Strahlenschutz Rücksicht nimmt. Dank der niederösterreichischen Landesklinken Holding ist es mir gelungen, das meines Erachtens beste technologische Mammografie-Gerät für St. Pölten zu erwerben. Neben konventionellen Mammographie-Aufnahmen erlaubt das Gerät auch die Akquisition von 3D-Bildern (Tomosynthese). Ein weiterer Vorteil der insbesondere auf den Strahlenschutz Rücksicht nimmt, besteht darin, dass man aus den 3D-Bildern auch ein synthetisches 2D-Bild erstellen kann und somit zusätzliche Aufnahmen eingespart werden können. Darüber hinaus ermöglicht dieses Gerät auch die Durchführung einer 3D-gesteuerten Biopsie.

Wie weit haben sich Ihre Erwartungen an das System erfüllt?

Bisher sind meine Erwartungen erfüllt worden. Im Vergleich zu anderen stereotaktischen Biopsiesystemen erscheint mir der Eingriff kürzer und die Treffsicherheit hat sich erhöht. Ebenso ist nun der Zugangsweg von allen Seiten möglich. Insgesamt ist dadurch der Eingriff für die Patientin angenehmer geworden.

Wodurch hat sich die Bedienung gegenüber der bisher üblichen stereotaktischen Zielführung vereinfacht?

Es wird für die Bestimmung des Biopsieareals in der Schicht, in der der suspekte Befund am besten sichtbar ist, nur ein Mausklick in die Mitte des Zielvolumens (Herdläsion/Mikrokalkareal) benötigt. Die Tiefe des Befundes in der Brust ergibt sich aus der ausgewählten Schicht, die X- und Y-Koordinaten aus dem angeklickten Bereich innerhalb dieser Schicht. Bei stereotaktischen Systemen wird zur Zielführung je ein Klick in zwei Aufnahmen, die in einem unterschiedlichen Winkel zu einander stehen, d.h. in zwei unterschiedlichen Bildern benötigt. Dabei ist es notwendig in beiden Aufnahmen den exakt gleichen Punkt zu markieren. Insbesondere bei größeren nicht ideal gruppierten Mikrokalkarealen kann es dabei zu Abweichungen in der Zielführung kommen. Durch die Tomosynthese-gesteuerte Biopsie ist die Einstellung einfacher und genauer geworden. Die Darstellung des suspekten Befundes im Rahmen der Biopsie erscheint mir verbessert. Im Biopsie-Procedere wird auch die gewählte Biopsie-Nadel grafisch dargestellt und die Lage des Zielobjekts zum Biopsie-Fenster der Nadel direkt angezeigt.

An dem Gerät wird die Patientin in Seitenlage biopsiert. Sehen Sie darin einen Nachteil gegenüber den Biopsie-Tischen bei denen die Patientin in Bauchlage biopsiert wird?

Ganz und gar nicht. Der Biopsie-Stuhl kann auch horizontal eingestellt werden und die Patientin liegt damit sehr stabil in Seitenlage. Mit der elektrischen Höhenverstellung kann die Arbeitshöhe für den Arzt angepasst werden. Da sich zwischen Brustwand und Detektor keine Tischplatte befindet, können brustwandnahe Läsionen gut biopsiert werden.

Gibt es auch Vorteile für die Patientin, die mit dem neuen Gerät biopsiert wird?

Die Eingriffsdauer hat sich deutlich verkürzt. Das bedeutet, dass auch die Biopsie-Nadel kürzer in der Brust der Patientin verbleibt. Durch die Erhöhung der Treffsicherheit können auch schwierige Lokalisationen leichter eingestellt werden und zuletzt ist es auch mit einer geringeren Strahlendosis verbunden.

Hintergrund: Hologic Selenia Dimensions 3D

Das digitale Mammografiesystem Hologic Selenia Dimensions, die derzeit fortschrittlichste Plattform im Bereich der Mamma Diagnostik, bietet medizinischen Einrichtungen und ihren Patienten eine umfassende Plattform vom Screening bis zu Diagnose- und Eingriffsverfahren.

Die Tomosynthese ist eine revolutionäre Technologie, die Radiologen die Möglichkeit gibt, individuelle Bruststrukturen ohne störendes überlappendes Gewebe zu erkennen und zu charakterisieren. Bei einem Tomosynthese-Scan werden mehrere niedrigdosierte Bilder der Brust aus verschiedenen Winkeln erfasst. Aus diesen Bildern wird eine Serie von millimeterdicken Schichten erstellt.

Anstatt übereinanderliegende Gewebestrukturen auf einem herkömmlichen 2D-Mammogramm zu betrachten, kann der Radiologe nun die Schichten der Brust in Millimeterabständen beurteilen. Die schichtweise Betrachtung des Brustgewebes eliminiert die Komplexität von übereinanderliegendem Gewebe – der Radiologe kann so das Brustgewebe auf völlig neuartige Weise betrachten.

Als derzeit einzige Firma bietet Hologic eine synthetische (rechnerisch ermittelte) 2D-Bildgebung mit FDA Zulassung an. Die Vergleichbarkeit der Synthetischen 2D-Bildgebung von Hologic in Relation zur konventionellen Aufnahme wurde in mehreren großen Studien belegt.
Seit dem ECR 2015 kann eine kontrastverstärkte Bildgebung inkl. Tomosynthese angeboten werden.

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Fr. Prof. Dr. Gertraud Heinz
Universitätsklinikum St. Pölten