NACHRUF DR. GISELA FRÜHWALD

Nachruf Dr. Gisela Frühwald

Am 5. Oktober 2017 verstarb Prim. Dr. Gisela Frühwald nach einem langen und erfüllten Leben im 92. Lebensjahr.
Geboren 1926 als Tochter eines Baumeisters in Neulengbach fiel ihre Jugend in die entbehrungsreiche Kriegszeit, ihr Studium in Wien in die Besatzungszeit.

Als Ärztin für Allgemeinmedizin im KH St. Pölten lernte sie den Radiologen, Dr. Josef Frühwald kennen. Nach ihrer Heirat unterstützte sie ihren Mann in seiner Ordination.Nachdem sie 5 Kindern das Leben geschenkt hatte, entschloss sie sich zur Absicherung der Familie die Radiologie-Ausbildung zu absolvieren und setzte dieses Vorhaben an der Universitätsklinik für Radiologie im AKH Wien unter Professor Psenner mit großem Engagement um. Nach drei Jahren als Oberärztin an der Universitätsklinik wurde sie an das Krankenhaus St. Pölten als Leiterin der Radiologischen Abteilung berufen.

Diese Position füllte sie 12 Jahre, von 1979 bis 1991 aus - als eine der ersten Frauen in Österreich, die eine derartige Leitungsfunktion übernehmen durften. Sie hat in dieser Funktion aus großer Überzeugung Frauen gefördert und sehr viele Kolleginnen als Assistenzärztinnen der Radiologe aufgenommen und ausgebildet – was an vielen anderen Fach-Abteilungen damals keineswegs selbstverständlich war. Damit hat auch sie daran mitgewirkt, dass die Radiologie in Österreich als eines von wenigen Fächern heute zu einem hohen Anteil von Frauen ausgeübt wird.

Sie hat alle relevanten Fortschritte in der stürmischen Entwicklungsgeschichte der Radiologie an ihrer Abteilung umgesetzt und so die Angiographie und interventionelle Radiologie, die Sonographie, die Computertomographie und mit besonderem persönlichem Engagement die Mammographie etabliert. Nach ihrer Pensionierung hat sie an der Entwicklung eines Instituts für CT und MRT durch ihren Sohn mitgewirkt. Es war ihr eine große Freude, dass auch eine ihrer Töchter und zuletzt auch zwei ihrer Enkeltöchter ihren Beruf als Radiologinnen  im Familienunternehmen ausüben.

Nach ihrer beruflichen Karriere hat sie sich mit großer Hingabe ihrer Familie mit den 5 Kindern, 12 Enkeln und 5 Urenkeln gewidmet und bis zuletzt auch viele ihrer Freunde und Bekannten, sofern diese Hilfe benötigten tatkräftig unterstützt. Abgesehen von diversen Erkrankungen hat sie Schicksalsschläge wie die lange Pflegebedürftigkeit ihres Mannes, den Tod von zweien ihrer Kinder und auch ernsthafte eigene Erkrankungen mit großer Geduld und Gottvertrauen ertragen und bewältigt. Ihre Familie und Freunde verlieren einen Menschen, der mit seiner positiven Lebenseinstellung und grenzenlosen Hilfsbereitschaft vielen ein Vorbild war und ist.

Sie hat sich niemals beklagt – obwohl es dafür durchaus Gründe gegeben hätte - und war immer dafür dankbar, wie gut der Herrgott es mit ihr gemeint hat.