NACHRUF GERHARD LECHNER

Nachruf Gerhard Lechner

von M. Breitenseher

Professor Gerhard Lechner ist am 07.12.2017 im 81. Lebensjahr in Wien verstorben. Er ist uns als leidenschaftlicher Radiologe, sowohl in seiner spitalsärztlichen Tätigkeit an der Universitätsklinik für Radiodiagnostik des AKH Wien, als auch in seiner Ordination bekannt. Diese Leidenschaft war kombiniert mit verschiedenen Talenten, wie zum Beispiel der umfangreichen und persönlichen Kommunikation. Sehr gut ist uns in Erinnerung, dass die radiologischen Fachgespräche auch in den kurzen Arbeitspausen fortgesetzt wurden. So waren das alte und dann das neue AKH Lebensmittelpunkt, wo nicht nur medizinisch und wissenschaftlich gearbeitet wurde, sondern auch Jubiläen und Geburtstagsfeiern abgehalten wurden (Abb. 1, 2).

Darüber hinaus stand die Tür des Chefzimmers immer offen, Pfeifen- und Zigarrenrauch waren die bekannten Signale der Anwesenheit und Einladung. Seine Kommunikatiosnsfreudigkeit umfasste nicht nur den Spitalsbetrieb sondern auch den Kongressbetrieb. So waren Einladungen zusammen mit internationalen Gästen in seiner Wiener Villa ein Highlight jeder Kongressveranstaltung. Seine kommunikative, offenherzige, familiäre und zeitweise unkonventionelle Lebensart findet sich auch auf seinem Lebensweg wieder.

Als Vorarlberger maturierte er 1955 in Wien, er war Demonstrator zuerst für Physik und Chemie und später am Anatomischen Institut. Er promovierte 1962 in Wien. Ein  Militärdienst bei der UNO führte ihn nach Afrika. Seine Facharztausbildung schloss er 1972 im AKH ab, wo er nach einer kurzen Ausbildungszeit in der Chirurgie seine Leidenschaft für die Radiologie entdeckte. Ein Max Kade Stipendium führte ihn nach Amerika an das Department for Radiology der Harvard Medical School in Boston (1972 bis 1973). Gerhard Lechner übernahm 1973 die Leitung der Röntgenabteilung an der ersten chirurgischen Universitätsklinik. Hier entwickelte er neue angiographische und interventionelle Techniken für chirurgische Patienten. 1977 erhielt er die Lehrbefugnis und wurde 1992 zum außerordentlichen Universitätsprofessor für das Fach Radiologie bestellt. In diese Zeit fällt auch die Leidenschaft der Knochentumor-Diagnostik, die er gemeinsam mit Prof. Kotz vorantreiben konnte.

1992 übernahm Gerhard Lechner mit der Übersiedelung ins AKH die Leitung des Röntgens aller chirurgischen Fächer. Als Nachfolger seines väterlichen Freundes Prof. Herbert Pokieser wurde er von 1997 bis 2004 zum Vorstand der Universitätsklinik für Radiodiagnostik am AKH Wien gewählt. Inhaltlich hat er die Zusammenführung zahlreicher kleiner Röntgenabteilungen in eine zentrale, jedoch in fünf Untereinheiten gegliederte Universitätsklinik in Wien wesentlich mitgestaltet.

Eine wichtige Leistung war die Integration der letzten Außenstelle, nämlich der Kinderradiologie, in die gemeinsame radiologische Versorgung an der MUW. Für ihn war die Einrichtung eines Exzellent-Zentrums für Hochfeld-MRT ein weiterer Meilenstein. In der universitären radiologischen Lehre hat er die Blockvorlesung eingeführt und ein digitales Lernzentrum für Studenten für die Radiologie etabliert. Ein spezielles Projekt war das „Lehrbuch der Radiologisch-Klinischen Diagnostik“ beim Maudrich Verlag herauszugeben (Abb. 3, 4). Für dieses umfangreiche Projekt hat er dutzende radiologische Kollegen aus dem AKH aber auch aus anderen Fächern involviert. Dieses Buch ist mittlerweile in fünf Sprachen übersetzt und war ihm auch nach der Emeritierung ein großes Anliegen.

Auf seinem Weg setzte er vorausschauend auf Prinzipien, die wahrscheinlich auch in der computerunterstützten Medizin in Zukunft wichtig sein werden, nämlich den Überblick und die Gesamtsicht über die Details zu stellen, das Gemeinsame und die Interdisziplinarität voranzustellen und mit dem kürzesten und direktesten Weg zum Studierenden zu finden. Gerhard Lechner war Mitglied von über zehn Röntgengesellschaften und war Präsident des österreichischen Röntgenkongresses 1988 und 1999.

Mit dem Ableben von Gerhard Lechner verliert die österreichische Radiologie einen einmaligen Menschen, der die Radiologie immer als Fach von und für Menschen gesehen hat und seine kommunikative, offenherzige und familiäre Lebensweisheit an viele, vor allem österreichische Radiologen, weitergegeben hat.

 

Abbildung 1: Prof. Gerhard Lechner (Zweiter von rechts) mit seinen beiden Nachfolgern an der Univ.-Klinik für Radiodiagnostik an der MUW Prof. Herwig Imhof und Prof. Christian Herold sowie den Brustpäpsten Österreichs Prof. Wolf und Prof. Thomas Helbich).

 

Abbildung 2: Prof. Gerhard Lechner bei seiner 65. Geburtstagsfeier gemeinsam mit seiner Abteilung des chirurgischen Röntgens.

 

Abbildung 3: Prof. Gerhard Lechner mit seiner Frau Eva.

 


Abbildung 4: Die Herausgeber der Erstauflage des „Lechnerbuches“.