NACHRUF KURT AMPLATZ

Professor Dr. Kurt Amplatz - Ein Nachruf

von J. Lammer

(25.2.1924 – 6.11.2019)

 

tl_files/banner/00News 0419/Amplatz Kopie.jpgKurt Anton Amplatz war einer der ganz großen Pioniere der Kardiovaskulären und Interventionellen Radiologie. Er wurde am 25.2.1924 in Weistrach, NÖ, als Sohn eines Praktischen Arztes geboren. Er absolvierte sein Medizinstudium an der Universität Innsbruck. Nach der Turnusausbildung in St. Pölten ging er 1952 für ein einjähriges Internship an das Saint John’s Hospital in Brooklyn, New York, USA. Danach begann er die Ausbildung in Radiologie an der Wayne State University Medical School in Detroit. 1957 wurde er Mitglied der Fakultät an der University of Minnesota, Minneapolis, ab 1961 als Professor für Radiologie, wo er bis zu seiner Emeritierung 1999 blieb. Ab 1970 leitete er die Abteilung für Interventionelle Radiologie.

Professor Amplatz war initial ein Pionier der invasiven kardialen Diagnostik. Er beschrieb 1958 die retrograde perkutan-transfemorale Linksherz-Katheterisierung. Er entwickelte den ersten Kontrastmittel-Injektor 1960 und 1961 die Kardangiographie mittels perkutaner  Direktpunktion des linken Ventrikels durch die Herzspitze. Schließlich entwickelte er Katheter für die rechte und linke Koronararterie, die bis heute verwendet werden. Er war ein hochgeschätzter Experte für die Diagnostik komplexer angeborener Herzfehler im Kindesalter.

Nachdem die invasive kardiale Diagnostik zunehmend in die Hände der Kardiologen ging, widmete er sich als Interventioneller Radiologe der minimal-invasiven Therapie vaskulärer, aber auch urologischer Erkrankungen. Bei der Entwicklung neuer Techniken begann er immer mit ausführlichen Tests im Tierlabor. Dabei zeigte er als Erster, dass die Ballonangioplastie auf einem Gefäßtrauma mit intimaler Ruptur und Dissektion beruht und es erst sekundär zu einer Dehnung der Gefäßwand kommen kann.

Professor Amplatz war auch ein genialer Erfinder. So entwickelte er nicht nur einen Kontrastmittelinjektor, sondern auch eine Kombination aus Blattfilmwechsler und Kinokamera, die simultan mit einer Injektion Herzuntersuchungen dokumentieren konnte. Später fokussierte er sich auf die Entwicklung von Instrumenten für die Interventionelle Radiologie, wie Amplatz Führungsdrähte mit und ohne Beschichtung, temporäre und permanente Vena Cava Filter, Nitinolstents, Thrombektomiekatheter, Nephrostomiekatheter, Steinkörbchen, die Amplatz Goose Neck Snare, den Amplatzer Septal Occluder für den Verschluss der Foramen ovale und den Amplatzer Vascular Plug.

Professor Amplatz war auch ein enthusiastischer Lehrer und eine Generation österreichischer Interventioneller Radiologen (z.B. Justich, Salomonowitz, Lammer) pilgerten zu ihm nach Minneapolis, um neue Techniken zu erlernen.

Im Rahmen seiner wissenschaftlichen Tätigkeit publizierte er über 600 Manuskripte und über 70 Buchkapitel. Er war auch für seine bisweilen sehr unterhaltsamen Vorträge bekannt.

Für seine herausragende Tätigkeit erhielt er eine Reihe von Auszeichnungen:
Vi Curso Anual De Cardiologia Intervencionista, Mexico , Gold Medal of the American College of Radiology , Gold Medal of the Society of Interventional Radiology, Outstanding Research Award of the Radiological Society, Gold Medal of the Roentgen Society, Gold Medal of the European Radiological Society, und auch die Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Röntgengesellschaft.

 

Mit Professor Dr. Kurt Amplatz ist einer der ganz großen Gründungsväter der Interventionellen Radiologie verstorben, der in einer Reihe mit Dotter, Grüntzig, Rösch, Zeitler und Olbert genannt werden muss.