NACHRUF PROFESSOR OLBERT

Nachruf Prof. Friedrich Olbert:

 

Prof. Friedrich Olbert verstarb am 6.April 2019 im 99. Lebensjahr.

 

Prof. Friedrich Olbert wurde am 1.6. 1920 in Königswart in der Nähe von Karlsbad in der CSR geboren. Er besuchte das humanistische Gymnasium, maturierte 1938 und begann dann ein Medizinstudium, zunächst in Erlangen, später in Prag. 1940 wurde dieses Studium auf Grund des 2. Weltkrieges unterbrochen. Nach Ende des Krieges und Entlassung aus amerikanischen Kriegsgefangenschaft, die er von 1944-1946 in den Südstaaten verbrachte, setzte er sein Medizinstudium fort und promovierte am 23.3.1950 zum Dr. med.

 

Anschließend begann er seine medizinische Fachausbildung im KH Lainz, wo er am 18.2.1957 den Facharzttitel für Radiologie erlangte. Sein innerer Drang nach Wissenschaft und größeren Aufgaben führte dazu, dass er am 1.6.1963 zum Leiter des Radiologischen und Angiologischen Departments der ersten Chirurgie im KH Lainz ernannt wurde. Visionär erkannte Prof. Olbert schon damals die Bedeutung einer völlig neuen medizinischen Entwicklung, der Interventionellen Radiologie, und erreichte 1969 die Installation einer modernen Angiographieanlage am damaligen KH Lainz.

Zugleich führte Prof. Olbert mit unglaublichem Fleiß und Einsatz seine wissenschaftliche Karriere fort, in welcher er in den nächsten Jahrzehnten an die 300 wissenschaftliche Arbeiten und Abstracts, 3 Bücher und 22 Buchkapitel verfassen und mehr als 20 Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Gesellschaften erlangen sollte. 1975 erlangte er für seine hervorragenden Arbeiten die „venia docendi“, und wurde 1981 zum Professor für Radiologie ernannt.

 

Mit besonderem Einsatz widmete er sich der Ausbildung und Förderung junger Kollegen. Menschlichkeit, und die Arbeit als wissenschaftlicher Diplomat waren weitere bedeutende Elemente seiner Karriere. So vereinigte er noch vor dem Fall der damaligen eisernen Mauern, Mediziner und Wissenschaftler aus Ost und West in Wien, pflegte hier den wissenschaftlichen Diskurs, gab vielen von Ihnen Motivation und Hoffnung und unterstütze sie oft und großzügig aus eigener Tasche.

 

Dies führte letztendlich auch dazu, dass Prof. Olbert in weiterer Folge zu einem der Gründungsväter der CIRSE wurde. Jahrzehntelang pflegten Herr Prof. Olbert und seine Frau Blanka auch in hervorragender Weise einen wissenschaftlichen Salon und Empfang während des ECRs, bei welchem die nationalen und internationalen Größen in den privaten Räumlichkeiten der Fam. Olbert geladen waren und sich austauschten.

 

Prof. Olbert war Begründer und jahrelanger Organisator des sogenannten Olbert Symposiums. Diese Veranstaltung existiert bis heute, und wurde unter Leitung seines Nachfolgers, Prof. Johannes Lammer, zum größten deutschsprachigen Kongress auf diesem Gebiet, dem sogenannten IROS, in Langform: Interventional Radiological OLBERT Symposium. Anbei versteht es sich nahezu von selbst, dass Prof. Olbert die höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Cardiovascular and Interventional Society of Europe (CIRSE) verliehen wurden, nämlich die „Gold Medaille“ und die Ernennung zum „Distinguished Fellow“. Zahlreiche weitere höchste Orden und Ehrungen schmückten seine Laufbahn, wie etwa das Österreichische Ehrenzeichen 1. Klasse, das große goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, die Boris Rajewsky Medaille, die Guido Holzknecht Medaille, und viele andere Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften.

 

Die besondere Pionierleistung von Prof. Olbert war die Entwicklung des sogenannten „Olbert Ballons“, den er gemeinsam mit DI Ljubomir Hanicka entwarf. Im März 1977 demonstrierte Prof. Olbert bei einem historischen Treffen in Nürnberg den damaligen Größen der Interventionellen Radiologie seinen neuen Dilatationskatheter. Nämlich den Professoren Dotter, Grüntzig, Roth und Zeitler, die den „Olbert Ballon“ mit großer Anerkennung aufnahmen, und er bekam 1979 dafür auch sein Patent.

 

Prof. Olbert war ein begeisterter Musik- und Theaterliebhaber, und nahm bis in sein höheres Lebensalter Geigenunterricht. Seine Begeisterung für die Medizin blieb auch nach seiner Emeritierung ungebrochen erhalten, und er besuchte bis zuletzt regelmäßig die Morgenbesprechung der Interventionellen Abteilung am AKH, wo er junge Kollegen motivierte und stets ein weises und aufmunterndes Wort für jeden fand.

 

 

Herr Prof Olbert war einer der großen europäischen medizinischen Pioniere, er war Wissenschaftler, Forscher, Lehrer, Freund und Humanist und Vorbild vieler Generationen.

Wir haben mit ihm einen der ganz Großen der Geisteswelt und einen hervorragenden Arzt und bedeutenden Mediziner verloren.

 

Sein wissenschaftliches Vermächtnis und sein menschlicher Auftrag bleiben uns jedoch stets erhalten.

 

Klaus HauseggerManfred CejnaThomas Rand
(Präsident der ÖRG)(Prädsident der ÖGIR)(Herausgeber ÖRG News)