ÖRG-BRG 2015 - EIN RÜCKBLICK

Bayerisch Österreichischer Röntgenkongress 2015 – Ein Rückblick

von W. Jaschke

Es war der erste gemeinsame Bayerisch-Österreichische Kongress seit fünf Jahren und ich freue mich im Nachhinein von einem großen Erfolg sprechen zu können. Trotz Beschwernissen beim Grenzübertritt von Salzburg nach Bayern sind insgesamt 885 TeilnehmerInnen, davon rund 340 aus Deutschland, angereist. Somit wurden unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen und Kolleginnen aus Bayern war exzellent. Die Referenten und Referentinnen aus Österreich und Bayern haben sich sehr gut ergänzt, was den Kongress insgesamt aufgewertet hat. Die Rückmeldungen aus der Zuhörerschaft und von Seiten der Industrie waren überwiegend positiv. Ich bin der festen Überzeugung, daß wir uns mit diesem Modell noch besser in der deutschsprachigen Kongresslandschaft verankern können.

Ein Thema das uns in Österreich zurzeit sehr beschäftigt und auch stark im Fokus unseres gemeinsamen Kongresses stand, ist die Bildgebung von seltenen Erkrankungen. Mit dem Aktionsplan Biotech hat das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft die Mittel für die Erforschung dieser Krankheiten vor zwei Jahren verdoppelt. Und natürlich wollen wir Radiologen auch diesem Thema Rechnung tragen. Dabei geht es vor allem darum, das Bewusstsein für seltene Erkrankungen zu schärfen. Aber auch darum, dem Allgemeinradiologen das Wissen zu vermitteln, die wesentlichen Manifestationen dieser Erkrankungen dankverschiedener bildgebender Verfahren zuerkennen, um die Patienten dann spezialisierten Zentren zuweisen zu können. Denn bei seltenen Erkrankungen ist es nicht nur schwierig, die richtige Behandlung zu finden, auch bei der Diagnosestellung hapert es. Häufig haben die Patienten eine Odyssee an Arztkonsultationen hinter sich, weil der Befunder nicht an diese Art von Erkrankungen denkt. Einen ersten Schritt in diese Richtung haben wir mit einem der wissenschaftlichen Schwerpunkt dieses Kongresses getan und werden dieses Thema auch weiterhin verfolgen.

Ein weiterer Schwerpunkt, der auf dem Kongress aufgegriffen wurde, sind neue Technologien in der Onkologie. Diese reichen von der kontrastmittelverstärkten Sonographie, der Elastographie und der Bildfusion über neue CT-Techniken bis hin zu Hybridverfahren wie PET/CT und PET/MR. Insbesondere bei der PET/MR zeichnen sich inzwischen Anwendungen ab, die der Methode künftig in der Klinik eine Daseinsberechtigung verschaffen werden, zum Beispiel in der kardialen Diagnostik und eben in der Onkologie. Hier kann sie in Zukunft gleichermaßen für die Primärdiagnostik wie beim Staging zum Einsatzkommen und so die CT-Diagnostik ergänzen, die derzeit immer noch an erster Stelle steht. Zudem ging es auch um neue Techniken– insbesondere auch bei der Prostata – wie die Fusion von Ultraschall und MRT. Allerdings ist der Ultraschall zu unspezifisch und auch die MRT hat das Problem, dass die Unterscheidung zwischen chronischen Entzündungen und einem Prostatakarzinom mit Unsicherheiten belastet ist. MRT-Untersuchungen sind deshalb momentan sehr aufwendig und langwierig. An dieser Stelle wird uns die Kombination mit der Nuklearmedizin, also der PET, weiterbringen, weil die markierte Substanz gut an den PSA-Rezeptorandockt.

Hinzu kommt, dass, sollte die PET/MR sich in der Klinik bewähren, sie auch finanzierbar werden wird. Wie immer bei Neuentwicklungen sind die ersten Prototypen sehr teuer, werden aber mit zunehmendem Verbreitungsgrad günstiger. Vor Jahren hielt man auch die Computertomographie für unerschwinglich, heute kostet ein CT-Gerät weniger als ein Durchleuchtungsgerät. Im Vergleich zu den Kosten für Medikamente sind die Ausgaben in der bildgebenden Diagnostik immer noch recht bescheiden – das ist ein Fakt. Und sobald die personalisierte Medizin das hält, was sie augenblicklich zu versprechen scheint, werden wir mit unseren Verfahren auch dazu beitragen können, nur noch die Patienten zu behandeln, denen eine Untersuchung auch wirklich hilft. Damit können die Entwicklungskosten für neue Verfahren wie die PET/MR ganz sicher wieder reingeholt werden.

Abseits der Wissenschaft hatte unser gemeinsamer Kongress aber auch kulturell viel zu bieten. Den Anfang machte der Eröffnungsabend in der Salzburger Residenz, wo in wunderschönem Ambiente ein klassisches Konzert aufgeführt wurde. Der Gesellschaftsabend am Freitag war ein geselliger und lockerer Austausch in fröhlicher Runde. Im Gedächtnis wird uns der Festvortrag von Prof. Harald Meller, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, bleiben, der uns über die Innovationen der Steinzeit informiert hat, wo wir von vielen eigentlich gedacht hätten, dass diese aus der Neuzeit stammen würden.

Abschließend möchte ich nochmals herzlich unseren beiden neuen Ehrenmitgliedern Dr. Richard Fotter und Prof. Dr. Georg Wolf gratulieren. Ansonsten bleibt mir nur mehr, mich bei allen TeilnehmerInnen und allen Personen, die zum Erfolg des Kongresses beigetragen haben, zu bedanken.

Ich hoffe Sie alle auch am nächsten ÖRG Kongress, 27-29. Oktober 2016, wieder begrüßen zu dürfen.

Ihr Werner Jaschke,
ÖRG Kongresspräsident 2015