VORWORT

Vorwort Coverstory

von R. Forstner

Die Prostata MRT boomt. Zumindest, wenn man diese Thematik auf dem aktuellen ECR 2016 analysiert (33 Sitzungen, 216 Präsentationen) oder den rasanten Anstieg an PubMed Veröffentlichungen der letzten 5 Jahre verfolgt. Ist diese Euphorie berechtigt und wie sieht heute die klinische Realität aus?

Und tatsächlich sind die Daten der aktuellen Metaanalysen eindrucksvoll, die sich mit dem Wert der multiparametrischen (mp) MRT beim Prostatakarzinom beschäftigen und diesen bestätigen. Diese Ergebnisse werden derzeit auch in der urologischen Community intensiv diskutiert, was vielfältigen Widerhall in deren Literatur findet und zahlreiche Editorials in hochrangigsten urologischen Journals belegen. Vor allem sind es die eindrucksvollen Daten, die den komplementären Wert der mpMRT bei negativer Blindbiospie und Tumorverdacht zeigen.  Zunehmend wird es klar, dass eine gezielte Biopsie zumindest in manchen topografischen Regionen der Prostata der Blindbiopsie eindeutig überlegen ist. Vielversprechend sind auch die ersten Ergebnisse, die das Potential der mpMRT in der Surveillance des Prostatakarzinoms belegen. Insgesamt ist die Datenlage ermutigend, aber dennoch besteht derzeit auch eine nicht unberechtigte Skepsis.

Diese auszuräumen ist zweifelsfrei Aufgabe der Radiologie.  Denn selbstverständlich brauchen wir klare Standards der Untersuchungstechnik und der Befundung. Voraussetzung dafür ist ein intensives strukturiertes Training der Befunder.  Zweifelsfrei bedarf es aber auch einer intensiven und erfolgreichen Kommunikation mit den Kollegen der Urologie, um ein gemeinsames Verständnis hinsichtlich der radiologischen Möglichkeiten und der Ansprüche der Urologie herzustellen. Ermutigend ist es, dass wir als Standard bereits auf PIRADS Version 2 aufbauen können. Diese ermöglicht eine breite technische Verfügbarkeit (etwa keine Endorektalspule bei 1.5Tmehr), vereinfacht die Befundinterpretation und reduziert Unklarheiten in der Interpretation.

Es ist hoch erfreulich, dass sich aktuell die Möglichkeit eines gemeinsamen Konsensuspapiers der Gesellschaft für Urologie und der Österreichischen Radiologischen Gesellschaft abzeichnet. Die bisherige Entwicklung in diesem Feld entspringt vorwiegend dem intramuralen Bereich. Die sich abzeichnende Zukunft ist jedoch nur in einem gemeinsamen Verständnis der intra- und extramuralen radiologischen Angebote sinnvoll denkbar.

In welchem Ausmaß aber hinkünftig die UrologInnen eine multiparametrische Prostata MRT indizieren, wird von der Standardisierung dieser Technik und einer einheitlichen Befundqualität vergleichbar mit der Mammadiagnostik abhängen.


Autorin

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Assoc. Prof. Rosemarie Forstner
Universitätsinstitut für Radiologie
Landeskrankenhaus Salzburg
Paracelsus Medizinische Universität
Leiterin der Arbeitsgruppe Uroradiologie der ÖRG.